Automobile Knipserei – US Cars


Bei unserem heutigen Thema geht es um das Ablichten von Automobilen auf Fantreffen oder Messen.

Gleich vorneweg – meinereiner erhebt sicher keinerlei Anspruch darauf, die Konifere der Automobilknipserei zu sein. Ganz großes Indianerehrenwort! Da gibt es ganz andere – echte – Cracks, vor denen ich mich nur jedesmal aufs Neue verneigen kann. Diese Jungs (warum eigentlich keine Mädels?) überraschen mich immer wieder aufs neue mit völlig neuen Perspektiven (auf die ich im Traum nicht gekommen wäre) und neuen Looks, was mir jedesmal deutlich vor Augen führt, wie weit der Weg noch ist. Aber wie heißt es doch bei „Dinner for one“? „I’ll try to do my best, Madame.“

Im Moment, oder eigentlich, seit die Sonne sich wieder häufiger blicken lässt, finden allerorten wieder die diversesten Treffen von Automobilenthusiasten aller Couleur statt. Nicht alle logieren so gediegen wie am Comer See und die motorisierten Schätze haben auch nicht überall gleich den Gegenwert einer Eigentumswohnung. Aber Leidenschaft und Benzin im Blut sind allemal ein gemeinsamer Nenner.

Eine tolle Gelegenheit also, oben erwähntes Erdölprodukt zu schnuppern, in kleinen Fachsimpeleien sein Wissen zu erweitern – schlicht einzutauchen in eine Welt jenseits von VW Golf und Fiat Punto (Liebe Freunde vom Wörthersee: Bitte nicht schlagen!). Und so ganz nebenbei an seinen fotografischen Skills zu arbeiten. In diesem Fall vor allem am Auge fürs Detail, denn wer von Gesamtaufnahmen á la Katalog träumt, wird bitter enttäuscht werden (oder er fotografiert eigentlich nur, um sich hinterher in Photoshop richtig auszutoben).

Ein interessantes – aber auch für die Nöte der Fotografen exemplarisches – Treffen im oberbayrischen Raum ist das „Rock’n’Fellaz“ in Garmisch – ein kleines Festival von US- Old- und Youngtimerfans im April, das ursprünglich wohl einmal als Schraubertreff begann.

Das Festival findet im Zentrum von Garmisch-Partenkirchen statt. Zufällig (oder auch bei der Gelegenheit *g*) wurden gleich nebenan die neuesten Porsches und andere Statussymbole vorgestellt, ironischerweise großzügig verteilt auf dem Hauptplatz, während die eigentlichen Stars – die Mustangs, Corvettes und Harleys – um die es bei „Rock’n’Fellaz“ geht, sich hübsch separiert auf den kleinen Parkplatz daneben quetschen mußten.

Was an sich schon eine Herausforderung darstellt – das Parkieren eines US-Straßenkreuzers in Titanic-Größe in mitteleuropäischen Parkbuchten – wird sicher nicht leichter, wenn sich da gleich 20 oder 30 von der Sorte tummeln. Die – um das Chaos komplett zu machen – auch noch ständig aus- und einfahren, denn eine oder mehrere kleine Cruisingrunden durch die City mußten schließlich sein. Der Stimmung tat dies aber keinen Abbruch – im Gegenteil. Das dumpfe Wummern der amerikanischen Triebwerke untermalte den Rock’n’Roll von der Bühne ausgesprochen passend.

Nur fotografisch… Also Idealbedingungen zum Ablichten solcher Autos sehen anders aus. Die Fahrzeuge so dicht aneinander gedrängt, daß Gesamtaufnahmen schlicht unmöglich werden, das Ambiente um den kleinen Parkplatz auch nicht gerade fotogen und natürlich überall Besucher mit dem Talent, im falschen Moment ins Bild zu hopsen. Selbst die sehr liebevoll und stilecht gekleideten Rockabillies gingen da optisch unter.

Der Fotograf als solcher hat nun im Gedränge drei Möglichkeiten:

  1. Exzessives Photoshopping. Möglich, aber nicht empfehlenswert.
  2. Die Kamera im Rucksack lassen und einfach nur genießen. An sich die eleganteste Lösung, aber dafür gibt es halt dann keine Bilder.
  3. Nicht aufgeben und aus den gegebenen Bedingungen das beste herausholen.

Immerhin, das Licht war aufgrund der leichten Bewölkung, durch die ab und zu sogar die Sonne lugte, ganz angenehm. Und Katalogfotos sind im Grunde ja auch langweilig…

Eine erste Möglichkeit ist das Foto von seitlich vorn mit Mut zum Anschnitt. So kann man störende Elemente ausblenden, hat aber alles wesentliche erfaßt.

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Bei dem Mustang wurde zudem noch der vordere Reifen angeschnitten, weil ein angeklebter, matschiger Getränkekarton störte. Why not?

Den Charakter eines Autos erfaßt man jedoch oft noch viel besser von vorn, so wie bei diesem Dodge, der seine Schnauze mehr als selbstbewußt in den Wind hält…

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…oder bei dieser zähnefletschenden Corvette C1.

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Dies ist auch nicht weiter verwunderlich, denn so werden Autos designed. Die Front des Anderen sieht man beim entgegenkommenden Fahrzeug zuerst (oder auch im Rückspiegel auf der Autobahn). Die Front ist das Gesicht des Autos – sie kann lieb und knuffig wirken (ein sogenanntes Frauenauto *g*) oder auch angriffslustig (das nennt man dann „Überholprestige“).

Eine Frontale sollte man eigentlich immer probieren. Vorzugsweise mit einem Weitwinkel, wenn es paßt, auch mal von leicht schräg unten. Manche Front wirkt allerdings symmetrisch besser, das muß man halt ausprobieren.

Und dann gibt es Designikonen, da braucht es nicht einmal die ganze Front… Eine Emily zum Beispiel, vielleicht noch mit dem RollsRoyce Emblem und einem Anschnitt des Kühlergrills – und alles ist gesagt.

Oder hier das galoppierende Pferd, mit dem angedeuteten FORD-Schriftzug – eine Einladung zum Träumen.

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Der Schriftzug und das Hinzunehmen des halben Grills mit den Scheinwerfern erleichtert außerdem die zeitliche Einordnung des Modells. Mehr braucht es meist nicht für die echten Kenner.

Gerade die amerikanischen Musclecars (zumindest bis Anfang der 80er) zeichnen sich durch ein sehr testosteronorientiertes Design aus, daß den Verstand gar nicht erst zu Wort kommen läßt (und das ist gut so! *g*).

Dazu gehörten oft auch seitliche Entlüftungsschlitze wie bei der bereits oben gezeigten Corvette C1…

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…oder dieser Stingray…

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Wichtig beim Ablichten solcher Designelemente ist die Konzentration auf das Wesentliche um die grafische, oft sehr plakative, Wirkung dieser Eye Catcher auszunutzen.

Vielleicht noch ein Anschnitt des Radkastens, oder eine Ecke der Tür um das Bild ausgewogener zu gestalten oder um Spannung aufzubauen. Die Gesamtform des Kotflügels, des Hecks, der Tür wird unwichtig. Am besten, man fotografiert mehrere Versionen, dann kann man später auswählen.

Tips:

Einfach mal die Augen leicht zukneifen und nur die Umrisse und Farben wahrnehmen.

Auf Krümel, Fliegen, etc. achten, die man leicht verscheuchen kann. Damit spart man sich später die PS-Fitzelei. Alles, was darüber hinausgeht – nicht ohne Einverständnis des Besitzers!

Aufpassen, daß man die Kamera möglichst gerade hält und nicht selbst in Reflexionen auftaucht, so wie hier…

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Welche Möglichkeiten gibt es sonst noch?

Das Heck (wobei dies ein älteres Foto von einer Luftfahrtmesse ist).

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Das Cockpit, der Arbeits- oder besser Spielplatz des Fahrers…

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Gerade bei diesen beiden Bildern hier sieht man sehr gut, wie Designwelten auseinanderklaffen können. Geld gegen Testosteron, Grace Kelly gegen Burt Reynolds (und ich mag beide gern in ihren Filmen).

Dann noch ein paar einzelne nette Gimmicks…

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Und was auch immer gut kommt – Assoziationen mit klassischen Filmen oder Fernsehserien, wie bei diesem Ford Gran Torino (eine kleine persönliche Hommage an Dominic Toretto aus den Fast & Furious –Filmen). Zu diesem Thema wurden am gleichen Fahrzeug 2 Versionen angefertigt…

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…gewonnen hat dann aber letzteres, da der „GRIP“-Sticker einfach so gut als Assoziation paßte und auch das gesamte Bild etwas gefälliger wirkt. Außerdem waren die Reflexionen beim oberen Fahrzeug zu ungünstig. Auch der Dreck am Schriftzug und der Riß im Rücklicht störte. Da muß man sich dann als Fotograf die Karten legen, ob man dokumentieren will oder huldigen.

Um das ganze abzurunden, kann man auch noch die Atmosphäre des Events einfangen, die gestylten Besitzer, die miteinander fachsimpeln, den chromglänzenden Imbißwagen im amerikanischen Stromliniendesign, den Harleyfahrer, der hingebungsvoll seinen Schatz mit dem Totenschädel auf dem Tank putzt…

Welches Equipment ist nützlich?

  • Zoomobjektiv mit Weitwinkel, z.B. 17 – 70mm (eventuell auch Makro)
  • Polfilter (ganz wichtig, um die Reflexionen zu beherrschen und Farben zu verstärken)
  • Guerillastativ
  • Wer kann und mag, ins Ambiente passendes Outfit – Öffnet Herzen, Münder und (Auto-) Türen…

Ein bisserl Vorwissen über die „Models“ schadet auch nie. Denn wer schon im Vorfeld weiß, daß der Hofmeister-Knick keine Hofetikette darstellt, sondern eine spezielle Linienführung bei der C-Säule von BMW, oder daß zum Auftritt der jüngeren Corvetten auch die Bodybuilding-Schulter am Einstieg gehört…

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… hat schon mal die ersten Fotoideen und kommt auch leichter ins Gespräch.

 

Und jetzt,… viel Spaß beim Recherchieren und Fotografieren! Bis zum nächsten Mal!

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Ein Kommentar zu “Automobile Knipserei – US Cars

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