Ich packe meinen Rucksack mit… Filterkram II


Nun zurück zu den optischen Filtern und damit zum Polfilter, dem Wundermittel und Arbeitspferd der Landschafts- und Architekturfotografen. Zum Verständnis: Historisch gibt es lineare und zirkulare Polfilter, die auf unterschiedliche Lichtwellen reagieren (wer darüber mehr wissen will – Wiki macht schlau). Relevant für die digitale Welt ist nur noch der zirkulare Polfilter, da der lineare die Belichtungsmessung komplett durcheinander bringt.

Pol Wie wirkt so ein Polfilter?

Kurz – er macht den blauen Himmel blauer, Farben bunter und Wasser durchsichtig.

Und genauer:

Das blaue Licht des Himmels ist teilweise polarisiert (…Wiki macht schlau). Der Polfilter schluckt diesen Anteil des Lichts und das restliche Licht im blauen Spektrum lässt den Himmel dunkler erscheinen. Allerdings funktioniert das nur mit Licht, daß in bestimmtem Winkel auf den Polfilter trifft. So funktioniert der Pol im 90°-Winkel zur Sonne am besten, je flacher/steiler der Winkel, desto schwächer der Effekt. Besonders gut läßt sich das bei Weitwinkelaufnahmen beobachten, wo der Himmel meist nur im Zentrum bzw. in diesem 90°-Bereich wirklich dunkel ist und rechts und links daneben schon wieder heller wird. Im folgenden Bild kann man das, glaube ich, ganz gut erkennen. Eigentlich war dies ein Fehler bei der Aufnahme, aber im Vergleich zu dem korrekten zweiten Versuch wirkt das Bild gerade dadurch stärker, finde ich, da es ein gutes Gegengewicht zu den dunklen Bäumen am rechten Rand bildet. Aber das ist, wie gesagt, meine persönliche Einbildung.

Buckelwiesen

Die Buckelwiesen bei Mittenwald.

Wer diesen Helligkeitsunterschied vermeiden, den Polfilter aber trotzdem einsetzen will – die Ringe der Polfilter sind drehbar. Damit läßt sich die Stärke des Effekts prima regulieren. Alternativ kann man an den seitlichen hellen Stellen auch mit Verlaufsfiltern arbeiten, dazu später.

Auch grüne Farbschattierungen wirken satter, da der Polfilter den dabei oft vorhandenen Blaustich ausfiltert.

JPG_roh_001_03

Kleine Bucht am Eibsee, der wunderschön zu Füßen der Zugspitze liegt.

Wie man an dem Foto ebenfalls sieht, werden spiegelnde Wasser- oder auch Glasoberflächen durch den Polfilter sogar durchsichtig, da er das senkrecht polarisierte Licht, wenn es in einem bestimmten Winkel reflektiert wird (30-40°), unterdrückt. Ein Feature, das auch Angler mit speziellen Brillen gern nutzen.

In der Landschaftsfotografie kann man den Polfilter aber auch einsetzen, wenn man zum Beispiel die nassen Steine in einem Bach „mattieren“ möchte, um das fließende Wasser stärker hervorzuheben, wie man am nächsten Bild sieht. (Eigentlich waren die Steine ständig überspült und naß.). Und netterweise wurde auch noch das fließende Wasser in einen goldenen Spiegel verwandelt – nicht beabsichtigt, aber gern genommen.

Flüssiges Gold

An den Kuhfluchtfällen bei Garmisch (ja, die heißen wirklich so!)

Einen weiteren interessanten Effekt zeigt der Pol bei Regenbögen. Je nach Drehstellung des Polfilters wird der Regenbogen nahezu komplett unterdrückt (denn auch ein Regenbogen ist polarisiertes Licht) oder er wird sogar stärker hervorgehoben, da der Regenbogen fast gar nicht, dafür aber das polarisierte Licht der umgebenden Wolken ausgefiltert wird. Dadurch erscheint der Regenbogen deutlicher.

Dummerweise wußte ich bei meinem letzten Regenbogen noch nichts von diesem Effekt (man lernt halt nie aus) und so habe ich zwar die Elbschlösser in Dresden im schönsten Herbstlaub und bei dramatischer Gewitterstimmung erwischt – nur den Regenbogen, der sich dekorativ darüber spannte, der fiel dem Polfilter zum Opfer (aber dafür leuchten die Farben schön). Grrr…

Elbschlösser

Elbschlösser in Dresden, vom Terassenufer aus

… was ich im Übrigen erst zu Hause feststellte, denn da ich mich für dieses Foto todesmutig mitten auf eine viel befahrene Uferstraße (Terrassenufer) in Dresden stellte, nahm ich mir nicht wirklich die Zeit, auf dem Display noch mal kurz gegenzuchecken.

Merke: 

  1. Im Falle einer Motivattacke gehört die griffbereite Warnweste in Quietschorange zur Überlebensausrüstung des motivierten Fotografen.
  2. Bei Regenbögen IMMER prüfen, ob der Polfilter auf dem Objektiv sitzt, und wenn ja, ob der Filter den Regenbogen durchgelassen hat.
  3. Dresdner Autofahrer sind echt nett. Die haben sogar gewartet mit dem Vorbeifahren, bis ich mein Bild im Kasten hatte. Falls hier Dresdner mitlesen – fettes Merci!

Last, but not least – völlig zu recht gilt der Polfilter als der wichtigste und unverzichtbarste Filter in der Fotografie und sein Wirken läßt sich auch nicht (oder nur begrenzt) per Photoshop oder Lightroom ersetzen.

Ebenso wenig übrigens wie der Effekt des Graufilters, um den wir uns im nächsten Kapitel kümmern.

Advertisements

Ein Kommentar zu “Ich packe meinen Rucksack mit… Filterkram II

  1. Pingback: Ich packe meinen Rucksack mit… Filterkram | Wege des Lichts

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s