Fotostrecke: Freiburger Dom und Colmar

Gleich im Anschluß an meinen Ausflug nach Straßburg fuhr ich dann nach Süden, der Himmel blieb natürlich grau. Mein Ziel war zwar das elsässische Colmar, aber da der Freiburger Dom schon von weitem grüßte, konnte ich dann nicht widerstehen…

Colmar habe ich dann nach Einbruch der Dunkelheit heimgesucht, auch eine pragmatische Lösung gegen Einheitsgrau. Die alten Fachwerkhäuser strahlen nachts richtig Gemütlichkeit aus.

Freiburger Dom

Colmar

Strasbourg II

Ich hatte ja in meinem letzten Post zu Strasbourg versprochen, Euch auch in die Kirche St. Pierre-Le-Jeune-protestant mitzunehmen. Leider habe ich gerade nicht allzu viel Zeit, aber eine kurze Zusammenfassung gibt es hier trotzdem:

https://de.wikipedia.org/wiki/Saint-Pierre-le-Jeune_protestant

St. Pierre wurde vor fast 1000 Jahren als Konvent gegründet, ist also eine der ältesten Kirchen Strasbourgs. Und obwohl weitaus weniger Besucher dorthin finden als zum berühmten Münster, ist die Kirche definitiv ein echtes Kleinod (wenn auch eines, das dringend der Restauration bedarf).

Die Grundstruktur des Gebäudes ist ohne Zweifel romanisch, wurde aber später mit gotischem Kreuzrippengewölbe und hohen Maßfenstern dem Zeitenwandel angepaßt, Die wuchtigen Säulen und die dunkelroten Wände mit den Fresken aus romanischer Zeit nehmen den Besucher sofort mit ihrer mystischen Atmosphäre gefangen. Auch der wunderschöne gotische Lettner, über dem sich eine Silbermann-Orgel erhebt, ist einen zweiten Blick wert.

Der Chor ist ein seltsamer Parfourceritt durch die Baugeschichte: Im Grunde eine romanische Apsis, wird er durch hohe gotische Fenster erleuchtet, während die dunkelgrauen Wände goldene, barocke Ornamente tragen.

Sehenswert ist auch die kleine Taufkapelle nebenan, mit der wunderschönen Gewölbemalerei. Leider ist diese, wie auch das Innere der Kirche insgesamt in einem arg beklagenswerten Zustand und daher bitte ich Euch: Wenn Ihr in Strasbourg seid, besucht St. Pierre (ganz wichtig: den protestantischen, es gibt nämlich auch noch einen katholischen), genießt die Atmosphäre und laßt ein paar Euro dort. Ein solcher architektonischer Schatz ist jede Unterstützung wert!

Und damit Ihr Euch eine Vorstellung machen könnt, gibt es hier noch ein paar Fotos:

Strasbourg I

Hm, da war er nun, der Urlaubstag. Extra in den Herbst gelegt und auch noch den Wetterbericht gefragt und dann das: Ein Himmel grau in grau und keine Änderung in Sicht. Und währenddessen fielen die Blätter und fielen und fielen…

Doch Trübsal blasen half auch nicht weiter, die Kamera wollte schließlich ausgeführt werden. Hm, Frankreich war nicht weit weg, und vielleicht hatten die ja Sonne – die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Also Rucksack ins Auto geworfen und den Motor aufgeweckt.

Französische Grenze. Keine Sonne. Dafür ein Hinweisschild: Strasbourg 17 km. Da war ich schon ewig nicht mehr… Und wenn schon sonst nix ging, dann wenigstens ein bißchen französische Lebensart…

Strasbourg_süß-2

Aber da war auch eine große gotische Kathedrale! Und für die Innenaufnahmen war das trübe Wetter genau richtig, da dann die wunderschönen Fenster erst richtig zur Geltung kommen.

Im grellen Sonnenlicht überstrahlen die Farben nämlich schnell, und da auch moderne Kameras meist geringere Dynamikfähigkeiten haben als das menschliche Auge, müßte man bei grellem Sonnenlicht draußen die Belichtung soweit zurücknehmen, daß im umgebenden Mauerwerk dann tatsächlich jede Struktur in Schwarz ertrinken würde.

In Straßburg angekommen, erst mal eine halbe Stunde nervenaufreibende Suche nach einem Parkhaus – und das in der morgendlichen Rush Hour. So viel „französische Lebensart“ war dann doch gleich wieder anstrengend. Endlich: das Auto im Parkhaus am Boulevard de President Wilson abgeworfen (5,70€ für 3h ging eigentlich) und den Rucksack geschultert. Der Himmel war übrigens immer noch grau, aber wenigstens regnete es nicht.

Wie bereits vermutet, war es ziemlich Essig mit Außenaufnahmen. Was man unter diesen Umständen natürlich machen kann, ist Street Photography, bei der man einfach den Himmel ausläßt, aber Street ist eines der wenigen Sujets, die mich so gar nicht vom Hocker reißen (und selbst für einen Mittwoch waren doch arg viele Touristen unterwegs).

Strasbourg_GasseMit ein bißchen Glück findet man (frau) aber doch das eine oder andere stille Gäßchen, wie dieses hier und in Sepiatonung fällt die Großwetterlage gar nicht weiter auf.

Strasbourg_Gasse-2_sepia

Dem Gewimmel kann man ausweichen, indem man nach Ladenschluß fotografiert, aber dafür war mein Zeitplan diesmal zu eng. Also machte ich auf dem Weg in die Altstadt ein bißchen Tempo.

Strasbourg_StPierreLeJeuneBeim Blick über die Häuser fiel mir ein Kirchturm mit einem eigenartigen, italienisch anmutenden Dach auf – bedeckt mit roten, grünen und braunen Ziegeln – den ich mir für den Rückweg vormerkte.

Exkurs: Da gerade alte Kirchen mitten im Gassengewirr stecken, ist es oft schwer, charakteristische Elemente – wie hier den Turm von St. Pierre – ohne große Verzerrung abzulichten.
Abhilfe: Einfach mal nach Spiegelungen, in Fenstern, Pfützen etc. schauen. Das gibt meist sogar interessantere Bilder.

 

Und dann trat ich aus einer der vielen Gassen hinaus auf den Place de la Cathédrale… Wow!!!

Vor mir erhob sich höher und immer höher das Straßburger Münster – wunderschöne Architektur, mit unzähligen Skulpturen, Türmchen, verzierten Pfeilern – der filigrane Nordturm schier endlos gen Himmel strebend.

Strasbourg_Münster-5Als eine der bedeutendsten Kathedralen der Gotik – und auch eines der größten Sandsteingebäude weltweit – steht das Straßburger Münster auf der gleichen Stufe wie Chartres, Reims oder Amiens. Ich stand vor dem höchsten im Mittelalter vollendeten Gebäude!

Exkurs: Gerade bei diesen Giganten immer darauf achten, daß man exakt symmetrisch vor dem Motiv steht und die Kamera gerade hält (was mir hier leider nicht ganz gelungen ist). Da man ohnehin nur Ausschnitte fotografieren kann, tut hinterher  jeder durch ausrichten verlorene Millimeter doppelt weh.

Beeindruckt hielt ich den Atem an und versuchte mir vorzustellen, wie sich die Menschen im späten Mittelalter bei diesem Anblick gefühlt haben. Denn anders als wir heute kannten selbst die Städter fast keine Häuser, die mehr als 4 oder 5 Stockwerke hoch waren.

Die Maison Kammerzell aus dem Jahr 1427 (hier im Vordergrund) ist da ein recht guter Vergleich. Wie klein, geradezu winzig, wirkt das eigentlich stattliche Gasthaus vor dem Sandsteinriesen im Hintergrund!

Strasbourg_Münster-6

Die Maison (das dunklere der beiden Gebäude) gilt übrigens als eines der schönsten Fachwerkhäuser der deutschen Spätgotik und auch eines der wenigen im Original erhaltenen – weitere Kleinode wie zum Beispiel das Salzhaus in Frankfurt /Main oder das Knochenhaueramtshaus in Hildesheim (wiederaufgebaut) gingen im Bombenhagel des 2. Weltkrieges unter.

Um die Maison zu fotografieren, geht man am besten sonntags hin, wenn die Läden geschlossen sind oder man wartet bis zum Abend. Tagsüber ist der Platz davor permanent von Touristen frequentiert und ein Bild, daß das schöne Fachwerk komplett zeigt, nahezu unmöglich.

Exkurs: Einen weiteren Trick gibt es noch: Man nehme einen sehr dichten Graufilter und ein sehr solides Stativ und belichte über längere Zeit (zum Beispiel über eine halbe Stunde). Ein bisserl Nervenstärke im Menschenstrom gehört da allerdings dazu. Normalerweise „verschwinden“ dann die umherwuselnden Menschen wie von Geisterhand und vereinzelte Passanten oder auch Füße (die während des Gehens länger am Boden verweilen) kann man dann mit wenig Aufwand per Photoshop entfernen.

Doch treten wir nun ein in eines der architektonischen Wunder der Christenheit, der Cathédrale de Notre-Dame de Strasbourg.

https://de.wikipedia.org/wiki/Straßburger_Münster

Erbaut wurde das Münster von 1176 bis 1439 in – wie damals nicht unüblich – mehreren Etappen. (Der Berliner Flughafen hat also noch jede Menge Luft *hüstel*).

Der 142m hohe Nordturm (der Südturm fiel wahrscheinlich den Controllern zum Opfer) hielt ab 1647 (Einsturz der Turmhaube der Marienkirche in Stralsund) bis 1874  den Weltrekord als höchstes Bauwerk der Menschheit. Unglaublich, wenn man bedenkt, daß die damaligen Baumeister nicht viel mehr zur Berechnung der Statik zur Verfügung hatten, als ein paar Schablonen und ein Knotenseil!

Der Riese aus rosa Vogesensandstein überstand den evangelischen Bildersturm, die Rekatholisierung, die französische Revolution und zwei Weltkriege.

Das Langhaus ist zwar nicht außergewöhnlich hoch, aber mit 16m immerhin sehr breit für die damalige Bauweise. Wenn man das Bild vergrößert (klick macht groß), sieht man das Größenverhältnis von Mensch und Halle (Die Fensterrose hat übrigens einen Durchmesser von 13,60m!).

Strasbourg_Münster-2Diese Wirkung wurde im Mittelalter sogar noch verstärkt durch die Tatsache, daß in den Kathedralen außer einem eventuellen Chorgestühl jegliche Bestuhlung fehlte – man stand mitten in einer großen, weiten Halle, getragen von mächtigen Pfeilern und erhellt von riesigen, in leuchtenden Farben gehaltenen Fenstern. Dazu noch die mehrstimmigen Gesänge der Gotik oder während der Messen der wiederhallende Klang der Gebete hunderter, vielleicht tausender Menschen – welchen Gläubigen hätte das kalt gelassen?

Hier noch weitere Eindrücke aus dem Münster. Besonders faszinierend wirkten auch die modernen Fenster aus der Katharinenkapelle (3. Bild). Der eindringliche Blick des segnenden Jesus Christus hat mich noch lange Zeit in meinen Gedanken begleitet.

Strasbourg_Münster

Strasbourg_Münster-4

Strasbourg_Münster-3

Und natürlich gibt es noch viel, viel mehr Fotomotive im Münster – zum Beispiel auch die berühmte astronomische Uhr und die Engelssäule – aber leider sind nicht alle Bilder gut geworden (und auch der Touristenstampede ging mir schnell auf den Nerv). Irgendwann habe ich deshalb die Kamera weggepackt, mich auf eine Bank gesetzt und einfach nur noch die einzigartige, spirituelle Atmosphäre auf mich wirken lassen…

Und dann war da auch noch der eigentümliche Kirchturm mit dem eckigen bunten Dach… Doch darüber berichte ich dann im nächsten Post von der Kirche St. Pierre-Le-Jeune evangelique.

Fototip: Chiemsee II – Die Fraueninsel

Ein neuer Tag und wieder mal in Gstadt am Steg… (Kleine Bairischlektion für Anfänger: Einfach ganz schnell und 3mal hintereinander „Gstadt am Steg“ sagen. Gstadt am Steg… Gstadt am Steg… Gstadt am Steg…).

Die Sonne meinte es heute sogar noch besser mit mir als am Tag davor. So sprang mir denn auch in Breitbrunn, dem Ort bevor man in Gstadt einrollt, auch noch diese perfekt ausgeleuchtete „Bayern“-Imagepostkarte vor die Linse. Also Fullstop mit dem 3er hingelegt und Kamera gezückt.

xx_Breitbrunn_ChiemseeNein, keine Sorge, ich blieb natürlich nicht mitten auf der Straße stehen. Statt dessen nutzte ich die Agilität des Heckantriebs, um kürzestmöglich auf einen Platz neben der Kirche einzubiegen. (Ja Mami, ich weiß…)

Dann erst ging es weiter an den See.

19_Gstadt_ChiemseeZu den Parkgebühren in Gstadt hatte ich ja schon im letzten Post etwas gesagt, aber um es genauer zu spezifizieren – die 2 € zahlt man am oberen Parkplatz, gleich wenn man in den Ort einrollt. Da läuft man zwar ein paar Meter mehr, aber soviel auch nicht. Und man kann mit dem Wohndampfer drauf parken, was auf dem unteren Parkplatz (3 €) an der Kirche nicht geht. Dafür fällt man von dem aus dann wirklich nur 2x um und stolpert über den Steg aufs Schiff.

Na gut. Heute also Fraueninsel.

Die Fraueninsel ist ein Paradies für Segler. Den ganzen Tag herrscht ständiges Kommen und Gehen – oder besser – Ein- und Auslaufen an den verschiedenen Stegen.

09_Frauenchiemsee11_Frauenchiemsee10_FrauenchiemseeDazwischen immer wieder ein paar Fischer, die hier seit immerhin 400 Jahren ihrem Handwerk nachgehen. Der Chiemsee hat mittlerweile auch wieder eine top Trinkwasserqualität und ist sehr fischreich, 28 Fischarten – darunter Aal, Barsch, Brachse, Hecht, Renke, Wels und Zander – drängeln sich hier um die besten Plätze im Netz.

12_FrauenchiemseeFür diese Vielfalt tun aber auch die Fischer selbst sehr viel. So setzen sie zum Beispiel jedes Jahr junge Renken im Wert von ca. 300.000€ wieder ein, um den Bestand zu erhalten. Immerhin holen die 16 Fischerfamilien, die das oft seit vielen Generationen betreiben, im Jahr 4 – 5 Tonnen Fisch aus dem Chiemsee – pro Familie, wohlgemerkt. Da muß man schon ein bißchen auf das Gleichgewicht mit der Natur achten.

Um auf der Insel zu verhungern müßte man sich also schon richtig Mühe geben. Es gibt mindestens 3 Restaurants und etliche kleine Gastgärten, in denen leckerer Fisch aus dem Chiemsee angeboten wird (die sind besonders gemein – wegen des verführerischen Dufts nach gebratenem und geräucherten Fisch).

Das Kloster lohnt definitiv ebenfalls einen Besuch, Es entführt den Besucher in die Vergangenheit um die erste Jahrtausendwende nach Christi. Während nämlich (viel) weiter nördlich Karl der Große den Sachsen noch „dezent“ das Christentum nahebrachte, war man in Bayern schon etwas weiter und so gründete Herzog Tassilo III. um 782 das Kloster Frauenwörth, Es steht also auf karolingischen Fundamenten. Zum Schutz der Nonnen legte man das Kloster extra auf einer Insel mitten im Chiemsee an. trotzdem schauten die Ungarn – etliche Jahrzehnte später – auf ihrem Weg zur Lechfeldschlacht unangemeldet vorbei. Aus dieser Zeit stammt auch das Torhaus, in dem man wunderschöne Fresken – ich schätze mal 10. Jahrhundert – bestaunen kann.

Als sich das Kloster von dem stürmischen Herrenbesuch etwas erholt hatte, entstand dann im 11. Jhd. die kleine Kirche gegenüber. Mit ihrer dunklen romanischen Halle, dem spätgotischen Netzrippengewölbe und den brennenden Bittkerzen überall, beamt sie den fantasievollen (oder belesenen) Besucher direkt ins sagenumwobene Mittelalter. Die Kirche ist der hlg. Irmingard gewidmet, der Schutzheiligen des Chiemgaus, und auch heute noch pilgern die Menschen hierher, um die Heilige um Beistand zu bitten.

Frauenchiemsee_2Wahl-4Als ich dann irgendwann aus der Kirche trat, stand ich etwas unerwartet im goldenen Licht des späten Nachmittags. Hm, da war ich wohl doch etwas länger in vergangene Zeiten abgeschwoffen… Das machte aber überhaupt nix, denn nun begann auf der Fraueninsel die schönste Zeit des Tages. Wenn die Sonne sich dem Horizont zuneigt und das Licht wärmer wird. Und einem auch nicht mehr ständig ganze Bus- äh… Dampferladungen von Touristen die Motive wegknipsen.

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Es kehrte Ruhe ein auf der Insel. Die Fischer kümmern sich um ihre Boote und ihre Ausrüstung…

13_Frauenchiemsee… und auch die Piers der Freizeitsegler leerten sich. Ein paar einsame Boote dümpelten noch an ihren Leinen am Steg oder an ihren Anlegestellen weiter draußen.

15_Frauenchiemsee14_FrauenchiemseeJetzt traf man auch den einen oder anderen Übernachtungsgast, der sich mit einem Buch oder einfach so auf eine Bank am Ufer setzte und zuschaute, wie die Sonne mit dramatischer Geste hinter der Herreninsel unterging.

Frauenchiemsee_2Wahl-816_Frauenchiemsee17_FrauenchiemseeIm letzten Licht des Tages glitt ein Segler beinahe lautlos an mir vorüber, aber das dezente Vibrieren meines Handyweckers erinnerte mich an das letzte Schiff zurück. Zeit zu gehen.

18_FrauenchiemseeAm Pier in Gstadt drehte ich mich dann nochmal um und betrachtete lange die ankernden Schiffe in der aufziehenden Nacht. Was für ein Tag. Was für ein Licht! Was für ein schönes Land. Gute Nacht Chiemsee, bis zum nächsten Mal! 21_Gstadt_Chiemsee 22_Gstadt_Chiemsee23_Gstadt_Chiemsee

 

Fototip: Chiemsee I – Die Herreninsel

Hej,

nach nun doch längerer Pause gibt es heute mal wieder einen neuen Fototip. Nach der geballten Ladung Dresden in den letzten Beiträgen geht es diesmal allerdings zurück in den südlichsten Freistaat, nach Bayern – meiner zweiten Heimat. Herbstfeuerwerksfarbensuchenderweise verschlug es mich nämlich an den Chiemsee, oder besser auf seine beiden größten Inseln – die Frauen- und die Herreninsel. Ihre Namen haben die Inseln von 2 Klöstern, dem Augustinerchorherrenstift auf Herrenchiemsee und dem Benediktinerinnenkloster auf Frauenchiemsee. Zumindest das Frauenkloster ist auch noch aktiv, wie ich gesehen habe.

Der Chiemsee selbst, der nicht nur wegen seines mitunter stürmischen Temperaments auch „bayerisches Meer“ genannt wird, ist mit einer Fläche von 79,9 km² Bayerns größter See und belegt in Deutschland nach Bodensee und Müritz immerhin noch Platz 3! Nur im Wasservolumen muß er sich in Bayern dem Starnberger See geschlagen geben, der in diesem Punkt um die Hälfte größer ist. Der See entstand vor ca 10.000 Jahren, also  am Ende der letzten Eiszeit, als Ausschürfung eines Gletschers. Dies gilt übrigens für die meisten Seen im bayrischen Oberland. Er war früher fast dreimal so groß, ist aber im Laufe der Jahrhunderte – auch durch die menschliche Kultivierung der Landschaft – a bisserl eingelaufen. Der Chiemsee hat insgesamt 4 Inseln, neben der schon erwähnten Herrenchiemsee und Frauenchiemsee sind das noch die Krautinsel und die … ähm…“Insel“ Schalch, beide unbewohnt.

Die beiden großen Inseln werden von der Chiemseeschiffahrt angefahren, hauptsächlich von Prien und von Gstadt aus. (kleiner Tip, Parken in Gstadt ist etwas billiger, 2-3 € in Gstadt, 4,50€ in Prien). Hier der Link zu den Fahrplänen der Flotte. Im Moment gilt gerade der Winterfahrplan: http://www.chiemsee-schifffahrt.de/files/chiemseeschifffahrt/pdf/fahrplan02.pdf Den Fahrplan zu lesen ist irgendwie eine Wissenschaft für sich –  also zur Vorsicht lieber noch mal auf den Schiffchen fragen. Grundsätzlich ist es logistisch günstiger, wenn man sein Auto in Gstadt stehen hat, denn die Schiffe fahren auch etwas später noch dorthin zurück.

Heute jedoch schauen wir uns erst einmal die Herreninsel an… Wie schon gesagt, heißt die Herreninsel vor allem wegen der Augustinermönche so (selbstverständlich dürfen auch Frauen hier den Fuß an Land setzen). Herrenchiemsee hatte aber auch noch einen weiteren berühmten Bewohner, nämlich Bayerns Märchenkönig, den einzig wahren Kini, Ludwig 2!

Er hat sich hier das Schloß Herrenchiemsee bauen lassen, eine ausgesprochen feudale Datscha, dem französischen Versailles nachempfunden. 01_HerrenchiemseeUnd zwar tatsächlich nachempfunden! Irgendwie hatte der Kini wohl einen Narren am französischen Namensvetter gefressen, denn vor allem das Innere des Schlosses sollte eine möglichst getreue Kopie mit zig 100 Zimmern sein. Selbst die Gemälde an den Wänden waren Kopien aus dem französischen Vorbild, sogar die Portraits! Als ob Bayern nicht genug spannende Geschichte (von der Lechfeldschlacht bis Herzog Max) und Landschaft bieten könnte. Aber nö…

Leider war das bauliche Vergnügen auch ein äußerst kostspieliges – das bayrische Versailles (das nie fertig wurde) kostete mehr als Neuschwanstein und Linderhof zusammen! Gedacht war es als Herbstresidenz, bewohnt wurde es von Ludwig jedoch nur ganze 10 ( in Worten: zehn!) Tage. Danach reiste er ab und ging wenig später mit einem finalen Bad im Starnberger See in das Reich der Mythen ein. Geblieben ist ein weiteres unvollendetes Märchenschloß – mit faszinierenden Wasserspielen…

03_Herrenchiemsee

02_Herrenchiemsee… und einem herrlichen Blick auf den Chiemsee.

04_Herrenchiemsee05_HerrenchiemseeNebenbei, das Foto ist „out of the Cam“, dieser „wie-gemalt“-Effekt entsteht durch eine leicht diesige Wetterlage und eine 640er ISO. Rauschen ist also doch zu was gut! 🙂

Hier noch zwei Bilder vom Chorherrenstift. Reinzugehen habe ich diesmal allerdings nicht geschafft, wegen des letzten Dampfers nach Gstadt. (Wenn ich mal groß bin, gönn ich mir, glaub ich, ein eigenes Schifferl da unten… Also vielleicht. A bisserl kleiner halt.)

06_Herrenchiemsee 07_HerrenchiemseeUnd hier eine echte Rarität auf meinem Blog – ein Gruppenbild! Wie es sich in Bayern so trifft, trifft man sich oft ganz unverhofft und so lief ich am Steg meinem lieben Freund Titus über den Weg, der sich – so ganz nebenbei – seinen Ehrennamen aufgrund seiner beeindruckenden Kenntnisse über Rom und die lateinische Sprache redlich verdient hat ;). Diesmal betätigte er sich allerdings als natural born Fremdenführer für seine kanadischen Freunde. Dieses Bild ist für Dich, Titus!

08_Herrenchiemsee

Guys, it was really a pleasure to meet you! I hope you still had some amazing days in our beautiful bavaria. Greetings to Canada!

Und dann war es auch schon wieder Zeit für mich, den Heimweg – oder besser die Heimfahrt – anzutreten. Die Fraueninsel habe ich an diesem Abend nicht mehr geschafft, dafür bin ich dann am nächsten Tag extra noch einmal hingefahren. Die Bilder von dort gibt es dann unter diesem Link hier.

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  Für heute sage ich Gute Naaacht!

Sommer in der Stadt

Heute gibt es nur ein paar Dresden-Bilder vom letzten Wochenende…

Ich hatte diesmal auf der „Pöppelmann“ Quartier genommen, einem ausrangierten Raddampfer, der jetzt als Pension dient. Die Ausstattung war mehr so „Jugendherberge“ (mit Gemeinschaftsduschen und –toilletten auf dem Gang) aber die Crew – unter anderem ein sehr netter Schwede – war extrem entspannt, das Frühstück üppig, das Ambiente am Rande der Neustadt, in einem Seitenarm der Elbe, mal was anderes. Und es ist einfach wunderschön, früh die Augen aufzuschlagen und die Reflektionen vom Wasserspiegel tanzen über Dir an der Zimmerdecke. Das ist Sommer. Das ist Leben.

Vespa

Die Altstadt war keine 20min zu Fuß entfernt, an der Elbe entlang, und so zog ich gleich nach dem Gepäckabladen wieder mit der Kamera los. Es war heiß und halb Dresden traf sich auf den Elbwiesen.

Dazu gab es einen herrlichen Sonnenuntergang (später Vollmond), kühles Bier, Thüringer Roster, gute Gespräche und Feuerwerk. Ein paar Eindrücke – sozusagen Bilder im Vorübergehen – seht Ihr hier in der Slideshow.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Fazit: Das war eines dieser Wochenenden, wo man einfach nur mitten im Leben steht und jede Sekunde staunend genießt.

Am Samstag war ich außerdem in Pillnitz, aber leider war es viel zu heiß. Jeder Schritt war einfach nur aaanstrengend, obwohl es auch den einen oder anderen schattigen Parkweg gibt. Ein paar Bilder habe ich trotzdem mitgebracht, wobei ich mich bewußt auf das 50 mm beschränkt habe.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Ich habe mir fest vorgenommen, im Herbst noch einmal hinzufahren und dann einen eigenen Post darüber zu schreiben, denn Pillnitz ist einfach der Hammer. Ich kann nur jedem empfehlen, der für mehr als einen Tag in Dresden weilt, neben der Altstadt auch noch einen Abstecher dorthin zu machen.