Fototip: Chiemsee II – Die Fraueninsel

Ein neuer Tag und wieder mal in Gstadt am Steg… (Kleine Bairischlektion für Anfänger: Einfach ganz schnell und 3mal hintereinander „Gstadt am Steg“ sagen. Gstadt am Steg… Gstadt am Steg… Gstadt am Steg…).

Die Sonne meinte es heute sogar noch besser mit mir als am Tag davor. So sprang mir denn auch in Breitbrunn, dem Ort bevor man in Gstadt einrollt, auch noch diese perfekt ausgeleuchtete „Bayern“-Imagepostkarte vor die Linse. Also Fullstop mit dem 3er hingelegt und Kamera gezückt.

xx_Breitbrunn_ChiemseeNein, keine Sorge, ich blieb natürlich nicht mitten auf der Straße stehen. Statt dessen nutzte ich die Agilität des Heckantriebs, um kürzestmöglich auf einen Platz neben der Kirche einzubiegen. (Ja Mami, ich weiß…)

Dann erst ging es weiter an den See.

19_Gstadt_ChiemseeZu den Parkgebühren in Gstadt hatte ich ja schon im letzten Post etwas gesagt, aber um es genauer zu spezifizieren – die 2 € zahlt man am oberen Parkplatz, gleich wenn man in den Ort einrollt. Da läuft man zwar ein paar Meter mehr, aber soviel auch nicht. Und man kann mit dem Wohndampfer drauf parken, was auf dem unteren Parkplatz (3 €) an der Kirche nicht geht. Dafür fällt man von dem aus dann wirklich nur 2x um und stolpert über den Steg aufs Schiff.

Na gut. Heute also Fraueninsel.

Die Fraueninsel ist ein Paradies für Segler. Den ganzen Tag herrscht ständiges Kommen und Gehen – oder besser – Ein- und Auslaufen an den verschiedenen Stegen.

09_Frauenchiemsee11_Frauenchiemsee10_FrauenchiemseeDazwischen immer wieder ein paar Fischer, die hier seit immerhin 400 Jahren ihrem Handwerk nachgehen. Der Chiemsee hat mittlerweile auch wieder eine top Trinkwasserqualität und ist sehr fischreich, 28 Fischarten – darunter Aal, Barsch, Brachse, Hecht, Renke, Wels und Zander – drängeln sich hier um die besten Plätze im Netz.

12_FrauenchiemseeFür diese Vielfalt tun aber auch die Fischer selbst sehr viel. So setzen sie zum Beispiel jedes Jahr junge Renken im Wert von ca. 300.000€ wieder ein, um den Bestand zu erhalten. Immerhin holen die 16 Fischerfamilien, die das oft seit vielen Generationen betreiben, im Jahr 4 – 5 Tonnen Fisch aus dem Chiemsee – pro Familie, wohlgemerkt. Da muß man schon ein bißchen auf das Gleichgewicht mit der Natur achten.

Um auf der Insel zu verhungern müßte man sich also schon richtig Mühe geben. Es gibt mindestens 3 Restaurants und etliche kleine Gastgärten, in denen leckerer Fisch aus dem Chiemsee angeboten wird (die sind besonders gemein – wegen des verführerischen Dufts nach gebratenem und geräucherten Fisch).

Das Kloster lohnt definitiv ebenfalls einen Besuch, Es entführt den Besucher in die Vergangenheit um die erste Jahrtausendwende nach Christi. Während nämlich (viel) weiter nördlich Karl der Große den Sachsen noch „dezent“ das Christentum nahebrachte, war man in Bayern schon etwas weiter und so gründete Herzog Tassilo III. um 782 das Kloster Frauenwörth, Es steht also auf karolingischen Fundamenten. Zum Schutz der Nonnen legte man das Kloster extra auf einer Insel mitten im Chiemsee an. trotzdem schauten die Ungarn – etliche Jahrzehnte später – auf ihrem Weg zur Lechfeldschlacht unangemeldet vorbei. Aus dieser Zeit stammt auch das Torhaus, in dem man wunderschöne Fresken – ich schätze mal 10. Jahrhundert – bestaunen kann.

Als sich das Kloster von dem stürmischen Herrenbesuch etwas erholt hatte, entstand dann im 11. Jhd. die kleine Kirche gegenüber. Mit ihrer dunklen romanischen Halle, dem spätgotischen Netzrippengewölbe und den brennenden Bittkerzen überall, beamt sie den fantasievollen (oder belesenen) Besucher direkt ins sagenumwobene Mittelalter. Die Kirche ist der hlg. Irmingard gewidmet, der Schutzheiligen des Chiemgaus, und auch heute noch pilgern die Menschen hierher, um die Heilige um Beistand zu bitten.

Frauenchiemsee_2Wahl-4Als ich dann irgendwann aus der Kirche trat, stand ich etwas unerwartet im goldenen Licht des späten Nachmittags. Hm, da war ich wohl doch etwas länger in vergangene Zeiten abgeschwoffen… Das machte aber überhaupt nix, denn nun begann auf der Fraueninsel die schönste Zeit des Tages. Wenn die Sonne sich dem Horizont zuneigt und das Licht wärmer wird. Und einem auch nicht mehr ständig ganze Bus- äh… Dampferladungen von Touristen die Motive wegknipsen.

Frauenchiemsee_2Wahl-9

Es kehrte Ruhe ein auf der Insel. Die Fischer kümmern sich um ihre Boote und ihre Ausrüstung…

13_Frauenchiemsee… und auch die Piers der Freizeitsegler leerten sich. Ein paar einsame Boote dümpelten noch an ihren Leinen am Steg oder an ihren Anlegestellen weiter draußen.

15_Frauenchiemsee14_FrauenchiemseeJetzt traf man auch den einen oder anderen Übernachtungsgast, der sich mit einem Buch oder einfach so auf eine Bank am Ufer setzte und zuschaute, wie die Sonne mit dramatischer Geste hinter der Herreninsel unterging.

Frauenchiemsee_2Wahl-816_Frauenchiemsee17_FrauenchiemseeIm letzten Licht des Tages glitt ein Segler beinahe lautlos an mir vorüber, aber das dezente Vibrieren meines Handyweckers erinnerte mich an das letzte Schiff zurück. Zeit zu gehen.

18_FrauenchiemseeAm Pier in Gstadt drehte ich mich dann nochmal um und betrachtete lange die ankernden Schiffe in der aufziehenden Nacht. Was für ein Tag. Was für ein Licht! Was für ein schönes Land. Gute Nacht Chiemsee, bis zum nächsten Mal! 21_Gstadt_Chiemsee 22_Gstadt_Chiemsee23_Gstadt_Chiemsee

 

Fototip: Chiemsee I – Die Herreninsel

Hej,

nach nun doch längerer Pause gibt es heute mal wieder einen neuen Fototip. Nach der geballten Ladung Dresden in den letzten Beiträgen geht es diesmal allerdings zurück in den südlichsten Freistaat, nach Bayern – meiner zweiten Heimat. Herbstfeuerwerksfarbensuchenderweise verschlug es mich nämlich an den Chiemsee, oder besser auf seine beiden größten Inseln – die Frauen- und die Herreninsel. Ihre Namen haben die Inseln von 2 Klöstern, dem Augustinerchorherrenstift auf Herrenchiemsee und dem Benediktinerinnenkloster auf Frauenchiemsee. Zumindest das Frauenkloster ist auch noch aktiv, wie ich gesehen habe.

Der Chiemsee selbst, der nicht nur wegen seines mitunter stürmischen Temperaments auch „bayerisches Meer“ genannt wird, ist mit einer Fläche von 79,9 km² Bayerns größter See und belegt in Deutschland nach Bodensee und Müritz immerhin noch Platz 3! Nur im Wasservolumen muß er sich in Bayern dem Starnberger See geschlagen geben, der in diesem Punkt um die Hälfte größer ist. Der See entstand vor ca 10.000 Jahren, also  am Ende der letzten Eiszeit, als Ausschürfung eines Gletschers. Dies gilt übrigens für die meisten Seen im bayrischen Oberland. Er war früher fast dreimal so groß, ist aber im Laufe der Jahrhunderte – auch durch die menschliche Kultivierung der Landschaft – a bisserl eingelaufen. Der Chiemsee hat insgesamt 4 Inseln, neben der schon erwähnten Herrenchiemsee und Frauenchiemsee sind das noch die Krautinsel und die … ähm…“Insel“ Schalch, beide unbewohnt.

Die beiden großen Inseln werden von der Chiemseeschiffahrt angefahren, hauptsächlich von Prien und von Gstadt aus. (kleiner Tip, Parken in Gstadt ist etwas billiger, 2-3 € in Gstadt, 4,50€ in Prien). Hier der Link zu den Fahrplänen der Flotte. Im Moment gilt gerade der Winterfahrplan: http://www.chiemsee-schifffahrt.de/files/chiemseeschifffahrt/pdf/fahrplan02.pdf Den Fahrplan zu lesen ist irgendwie eine Wissenschaft für sich –  also zur Vorsicht lieber noch mal auf den Schiffchen fragen. Grundsätzlich ist es logistisch günstiger, wenn man sein Auto in Gstadt stehen hat, denn die Schiffe fahren auch etwas später noch dorthin zurück.

Heute jedoch schauen wir uns erst einmal die Herreninsel an… Wie schon gesagt, heißt die Herreninsel vor allem wegen der Augustinermönche so (selbstverständlich dürfen auch Frauen hier den Fuß an Land setzen). Herrenchiemsee hatte aber auch noch einen weiteren berühmten Bewohner, nämlich Bayerns Märchenkönig, den einzig wahren Kini, Ludwig 2!

Er hat sich hier das Schloß Herrenchiemsee bauen lassen, eine ausgesprochen feudale Datscha, dem französischen Versailles nachempfunden. 01_HerrenchiemseeUnd zwar tatsächlich nachempfunden! Irgendwie hatte der Kini wohl einen Narren am französischen Namensvetter gefressen, denn vor allem das Innere des Schlosses sollte eine möglichst getreue Kopie mit zig 100 Zimmern sein. Selbst die Gemälde an den Wänden waren Kopien aus dem französischen Vorbild, sogar die Portraits! Als ob Bayern nicht genug spannende Geschichte (von der Lechfeldschlacht bis Herzog Max) und Landschaft bieten könnte. Aber nö…

Leider war das bauliche Vergnügen auch ein äußerst kostspieliges – das bayrische Versailles (das nie fertig wurde) kostete mehr als Neuschwanstein und Linderhof zusammen! Gedacht war es als Herbstresidenz, bewohnt wurde es von Ludwig jedoch nur ganze 10 ( in Worten: zehn!) Tage. Danach reiste er ab und ging wenig später mit einem finalen Bad im Starnberger See in das Reich der Mythen ein. Geblieben ist ein weiteres unvollendetes Märchenschloß – mit faszinierenden Wasserspielen…

03_Herrenchiemsee

02_Herrenchiemsee… und einem herrlichen Blick auf den Chiemsee.

04_Herrenchiemsee05_HerrenchiemseeNebenbei, das Foto ist „out of the Cam“, dieser „wie-gemalt“-Effekt entsteht durch eine leicht diesige Wetterlage und eine 640er ISO. Rauschen ist also doch zu was gut! 🙂

Hier noch zwei Bilder vom Chorherrenstift. Reinzugehen habe ich diesmal allerdings nicht geschafft, wegen des letzten Dampfers nach Gstadt. (Wenn ich mal groß bin, gönn ich mir, glaub ich, ein eigenes Schifferl da unten… Also vielleicht. A bisserl kleiner halt.)

06_Herrenchiemsee 07_HerrenchiemseeUnd hier eine echte Rarität auf meinem Blog – ein Gruppenbild! Wie es sich in Bayern so trifft, trifft man sich oft ganz unverhofft und so lief ich am Steg meinem lieben Freund Titus über den Weg, der sich – so ganz nebenbei – seinen Ehrennamen aufgrund seiner beeindruckenden Kenntnisse über Rom und die lateinische Sprache redlich verdient hat ;). Diesmal betätigte er sich allerdings als natural born Fremdenführer für seine kanadischen Freunde. Dieses Bild ist für Dich, Titus!

08_Herrenchiemsee

Guys, it was really a pleasure to meet you! I hope you still had some amazing days in our beautiful bavaria. Greetings to Canada!

Und dann war es auch schon wieder Zeit für mich, den Heimweg – oder besser die Heimfahrt – anzutreten. Die Fraueninsel habe ich an diesem Abend nicht mehr geschafft, dafür bin ich dann am nächsten Tag extra noch einmal hingefahren. Die Bilder von dort gibt es dann unter diesem Link hier.

20_Gstad_Chiemsee

  Für heute sage ich Gute Naaacht!

Fototip: Wildpark Poing

Eine Premiere… Mein erster Fotoworkshopbesuch. Man liest und hört ja viel vom Sinn und Unsinn der zahllosen Fotoworkshops. Und man fragt sich: Tun es Bücher nicht auch? Bin ich noch ein Anfänger? Oder schon Fortgeschrittener? Bin ich da gut genug, damit sich das Geld rentiert…? Gerade beim Kosten-Nutzen-Verhältnis trennt sich ja die Spreu vom Weizen. Egal.

Irgendwann war ich an dem Punkt, wo sich zwar mein Bücherregal unter schlauen Ratgebern und Bildbänden bog (die ich sogar alle mehrfach gelesen habe), aber trotzdem hatte ich das Gefühl, irgendwie auf der Stelle zu treten. Fotoklubs sind nicht so mein Ding, also entschied ich mich für die bezahlte Belehrung.

In München ist daran ja kein Mangel und so stieß ich bald auf http://www.fotosafari-deutschland.de/. Vom Grundlagenlehrgang bis zum Architekturshooting wird dort eigentlich alles angeboten, was das Fotografenherz begehrt. Ich entschied mich für eine Outdoorsession im Wildpark Poing, denn erstens fehlen mir Tiere bisher komplett im Portfolio (anders als Landschaften bleiben die leider nicht geduldig stehen, bis ich mein Bild eingerichtet habe), zweitens kann man mit Viecherln in Action auch prima für Mitzieher an der Rennstrecke üben und drittens und letztens – wenn der Workshop selber schon nix werden würde, war ich wenigstens den ganzen Tag an der frischen Luft.

Ziegenkumpels

Um das Fazit gleich mal vorweg zu greifen: Alle drei Ziele haben sich mehr als erfüllt. Tiere knipsen hat soviel Spaß gemacht, daß ich das sicher nicht zum letzten Mal getan habe, ich habe unglaublich viel gelernt über (manuelle) Belichtung und auch Zielen bei schneller Bewegung des Opfers, und ich habe leichten Sonnenbrand im Gesicht und Muskelkater vom Wandern und Fotoschießen in Hockstellung. Alles in allem also ein guter Tag, der sich gelohnt hat. Er endete mit der Erkenntnis, daß man zwar fast alles aus Büchern lernen kann, aber die lehrreich unterstützte Praxis ist dann noch mal ganz was anderes. Der Dozent, Roger Riedel, war dabei eine große Hilfe. Angenehm unaufdringlich, aber aufmerksam, gab er immer wieder Hinweise auf die richtige Belichtung oder auch Übungsaufgaben zum Umsetzen des Gelernten. Er schaffte sogar das kleine Wunder, daß ich den ganzen Tag freiwillig komplett manuell fotografierte (eine weitere Premiere für mich!) – auch, wenn dabei nicht alles klappte.

Jolly Jumper

Jolly Jumper

Belichtung super. Der Focus sitzt… Aber für 1/200 startete der kleine Nager definitiv zu schnell durch. Hm, es müßte in solchen Tierparks Eichhörnchen geben, die auf Kommando springen…  Zum Üben.

Aber dafür hatte er vorher ganz herzallerliebst Modell gesessen:

Oachkatzl

So, wie übrigens auch der nächste Kollege – ein sehr dankbares Modell für Bewegungsstudien. Man kann sich beim Herumspielen mit ISO, Blende und Zeit soviel von derselbigen genehmigen – das ist schon ZEN.

Das Besondere an diesem Bild – auch wenn der Kollege eher einen gelangweilten Eindruck macht – ist die Abwesenheit vom vorderen Käfiggitter. Nicht, daß das die Dokumentation einer Tierbefreiungsaktion gewesen wäre (pst… doch nicht bei Tag!), der Trick ist: Einfach dicht ans Gitter gehen und mit dem Tele arbeiten. Das Gitter verschwindet dann wie durch Zauberhand im Naheinstellbereich des Objektivs.

Auch belichtungsmäßig gab es da noch so einige Tücken, so zum Beispiel die sehr großen hellen und dunklen Flächen. Je nachdem, welches Meßfeld die Kamera aktiviert, kann das zu Unter- oder Überbelichtung führen. Oder – mit der Wahrscheinlichkeit des Lottojackpots – auch zu korrekter Belichtung. Aber wir hatten ja Zeit.

Protest klein

Erste Amtshandlung: ISO festnageln. Nicht wenige Fotografen machen den Fehler, daß sie zwar Blende und Zeit manuell festlegen, aber die ISO-Automatik dabei vergessen. Das ist dann zwar nicht ganz für die Katz, denn der aufmerksame Leser dieses Blogs weiß schließlich, daß diese beiden Parameter ganz wesentlich für die Bildaussage sind. Aber ob das Licht reicht oder nicht, entscheidet dann immer noch die Kamera, indem sie ungefragt an der ISO schraubt. Also ISO-Automatik aus.

Da das Licht an diesem Tag bestens war – keine knallige Sonne, sondern eher lichte Bewölkung – tat es auch ISO 200.

Danach die Blende bestimmt. Klar, Blende 2,8 wäre toll gewesen (wegen verschwommenem Hintergrund und so). Aber mein voll ausgefahrenes Tele genehmigt nur 6,3 und höher. Take it or leave it. Also 6,3. Jetzt wird’s ernst. Um eine sehr korrekte Belichtung des Vogels zu erwischen, die Kameramessung fein abstimmen. Also…

  • Einzelautofokus mit Meßpunkt in der Mitte.
  • Meßfeldsteuerung Einzelfeld.
  • Belichtungsmessung mittenbetont oder sogar Spot.

Und um das Meßbild besser nach ausgefressenen (überbelichteten) Stellen checken zu können, die Bildanzeige auf dem Display auf „Lichter“ umschalten (ist bei mir aber ohnehin die Standardeinstellung).

Dann das Gefieder des inzwischen hyperventilierenden Models anvisieren und – Probeschuß. Wenn dann beim Meßbild zuviel blinkt, war’s zu hell. Blende und Iso sind fix, also Verschlußzeit kürzer. Bis es paßt. DAS war dann übrigens der Moment, in dem obiges Bild entstanden ist.

Was affektierte Ignoranz angeht, kann ich von diesem Model hier übrigens noch einiges lernen.

Pfau kleinAber ich kann den geneigten Leser beruhigen: Der ganze Meßbrimborium muß nicht jedesmal in dieser Umfänglichkeit aufs Neue zelebriert werden. Nur, wenn es wirklich drauf ankommt. Und mit zunehmender Übung reicht auch schätzen. Ein sehr gutes Buch, was ich in dieser Hinsicht empfehlen kann, ist von Sam Jost: „Manuell Fotografieren mit der Digitalkamera“.

Und solange die Lichtverhältnisse etwa gleich bleiben und kein besonderer Wert auf eine andere Blende oder Verschlußzeit gelegt werden, kann die Einstellung unverändert bleiben. Sogar bei ganz anderer Helligkeitsverteilung wie bei diesem Low Key hier:

Bison

Bison

Dieser sanfte Riese stand keine 3m von mir weg. Übrigens eine weitere Premiere meinereinerseits – der erste Herrscher der Prärie, den ich in meinem Leben live und in Farbe gesehen habe.

Ebenso ging es mir bei diesem Luchs hier, auch wenn die tiefenentspannte Katze sich im dichten Gezweig einer umgestürzten Fichte niedergelassen hatte und uns nur ab und an eines kurzen Blickes würdigte. Aber immerhin. Sie würdigte.

Luchs kleinDer Sturm letztens hat in dem Wildpark überhaupt ganz schön gewütet. Das Versteck des Luchserichs war nicht das einzige Opfer. Überall – auch in den Gehegen – entwurzelte und abgebrochene Bäume. Und auch das eine oder andere Inventar ging ebenfalls zu Bruch. Da lernt man mal wieder Respekt vor der Natur.

Bude_001

Aber zurück zur Lichtbildnerei…

Nachdem wir an den Slow-Motion Models ausgiebig geübt hatten, wurde im nächsten Menügang gleich mal zwei Gänge hochgeschaltet. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Eine Greifvogelschau! Pfeilschnelle Falken, Bussarde, Uhus und Adler – unschönerweise meist auch noch perfekt getarnt mit ihrem Federkleid. Was immer wir bis dahin gelernt hatten an diesem Tag – jetzt würden wir es brauchen.

Zunächst zu den Vorbereitungen…

Wohl jeder, der schon einmal Vögel am Himmel abgebildet hat, wird sich irgendwann einmal gewundert haben, daß die Birdies selbst bei strahlendem Sonnenschein meist nur als schwarze Silhouette erkennbar waren. Und das, obwohl der Knipskasten so verdammt teuer war!

Der Grund ist denkbar einfach: Heller Himmel (große helle Fläche) und kleiner dunkler Vogel (kleine dunkle Fläche). Um den weiten Himmel nicht überzubelichten, nimmt die Kamera die Belichtung zurück und „übersieht“ dabei den kleinen armen Vogel. Der wird dann halt schwarz. Das ist alles.

Aber auch dafür gibt es Abhilfe, nämlich eine Abwandlung zur Eulenübung weiter oben. Legen wir also erstmal die Prämissen fest…

Diese Vögel sind schnell, verdammt schnell! Also mit einer Verschlußzeit unter 1/1000 braucht man gar nicht erst abdrücken.

Schneefalke

Doch auch die Blende sollte man nicht außer acht lassen. Da die schnellen Jäger ja nicht nur im vorgeschriebenen, gleichmäßigen Sicherheitsabstand am Fotografen vorbeizischen,…

Weißkopf-Seeadler

Weißkopf-Seeadler

sondern auch mal geradewegs Kurs auf den Künstler selbst nehmen, ändert sich der Abstand zur Kamera immer wieder sehr schnell.

Wählt man eine zu große Blende (kleine Blendenzahl) und kommt der Autofokus nicht hinterher, ist der Vogel schneller wieder aus dem Schärfentiefebereich heraus, als die Kamera denken kann. Dann wird vielleicht das Gezweig der Bäume im Hintergrund scharf, aber der Vogel nimmer. Andererseits ist es ja nicht verkehrt, wenn das Gestrüpp im Hintergrund ein bißchen unscharf wird, um den Blick auf den Star zu lenken…

Ein sibirischer Uhu, Mit seinem hellen Federkleid perfekt getarnt für die Birkenwälder seiner Heimat.

Ein sibirischer Uhu, Mit seinem hellen Federkleid perfekt getarnt für die Birkenwälder seiner Heimat.

Jetzt zur ISO: Für eine möglichst ausgewogene Belichtungsmessung suche man sich eine grauähnliche Fläche in mittlerer Entfernung. Hier bot sich ein rindenloser, ausgeblichener Baumstumpf in der Mitte des Platzes an. Messung wie bei der Eule weiter oben. Und diesmal sollte man wirklich genau zielen. Ein Probebild. Paßt.

Und jetzt darf die Kamera einmal zeigen, was sie kann. Der Autofokus wird auf kontinuierlich eingestellt (Nikon: AF-C) und die Meßfeldsteuerung auf „Dynamisch“. Der Rest ist dann Glückssache. Und nicht traurig sein, wenn es nicht gleich klappt, die Ausschußquote bei mir war so etwa 50%, beim Rest hat zumindest das Technische gestimmt, wenn der Bildaufbau auch meist für die Tonne war. Die wenigen Glückstreffer stehen hier im Blog. Von etwa 100 Versuchen…

Attacke klein

Nach soviel Aufregung brauchten wir etwas Beruhigendes. Zum Beispiel ein paar süße, knuddelige… Braunbären.

Bärchen_001Die Perspektive so von oben herab ist natürlich nicht das Optimum. Der klassische Tourischuß halt. Tierfotos machen sich besser in Augenhöhe. Aber andererseits… Bär am WasserWas, wenn die plüschigen Steiffbären doch mal richtig sauer werden?

Sprach der weise Goldfasan…

Pharao

Das besondere an diesem Foto ist die bewußte Unterbelichtung, die alles Unwichtige im Dunklen verschwimmen und dafür das Goldene Gefieder und die Orange Punkfrisur um so kräftiger strahlen läßt (wobei da auch ein paar Strahlen der weicheren Nachmittagssonne geholfen haben). Da hilft nur ausprobieren. Das Original sah übrigens bei normaler Beleuchtung so aus:

Goldfasan

Und damit wären wir auch schon fast am Ende eines langen, lehrreichen Tages angelangt. Fast! Denn meine absoluten Lieblinge habe ich noch gar nicht gezeigt. Hier sind sie:

Mit diesen Prachtburschen endete der Tag dann wirklich. Müde, aber glücklich gingen wir auseinander und fuhren nach Hause.

PS: Für mich hat sich der Workshop echt gelohnt. Wird nicht der Letzte gewesen sein.

Fototip: Partnachklamm bei Garmisch-Partenkirchen

Da dieser Blog ja vor allem auch für die Vorstellung meiner Fotos gedacht ist (also über das 100er-Limits meines FC-Accounts hinaus), gibt es heute einmal Bilder aus der Partnachklamm bei Garmisch-Partenkirchen.

Die Klamm ist definitiv ein lohnender Fotospot im oberbayrischen Raum, aber sie ist auch recht anspruchsvoll – zumindest, wenn man mehr will, als die mittlerweile inflationäre Smartphoneknipserei.

Welche Motive erwarten den werten Wanderer?

Hohe, schroffe Wände, auch mal mit einer malerischen (und klapprigen) Brücke aus früheren Zeiten, als das noch der Weg für die Holztrifter, Boten und Wilderer war.

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Ein reißender Fluß (allerdings nur, wenn ausreichend Schmelz-/Regenwasser vorhanden) mit der typischen grün-türkisen   Gletscherwasserfärbung.

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Mit ein bißchen Glück Wasserfälle im Gegenlicht.

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Atemberaubende Momente, wenn sich hinter einer Biegung das Licht plötzlich bis hinunter in die Klamm kämpft und der Fels, der Gischtnebel vom Fluß und die tapfere Vegetation an den Wänden im Sonnenlicht erstrahlen.

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Ein schmaler Triftweg, der teilweise durch den Fels geschlagen wurde und natürlich Touris in ausreichender Anzahl.

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Die hohen, steilen Wände (die sich obendrein auch noch recht innig aneinander schmiegen) sorgen leider dafür, daß für den größten Teil des Tages das Licht nur vor sich hin dämmert. Daher sollte man spätestens gegen 10.00 Uhr an der Klamm sein (kostet übrigens 3,50 Euronen Eintritt), um einen möglichst hohen Sonnenstand ausnutzen zu können.

Welches Equipment ist hilfreich?

Wer sich mit Verlaufsfiltern ein bißchen auskennt, sollte diese ruhig einpacken. Kämpft sich die Sonne an der einen oder anderen Stelle doch einmal bis in die Klamm hinein, sind die Kontrastunterschiede ziemlich kraß. Die meisten Smartphones und Pocketknipsen kommen dabei an ihr Limit (Auch das iPhone!). Ein SoftGrad kann da durchaus hilfreich sein. Als Aufbewahrungsort empfiehlt sich unter den gegebenen Bedingungen allerdings eher die Gürteltasche als der Rucksack, da es auf dem Triftweg ziemlich kuschlig zugeht. In diese Tasche sollte man auch gleich noch ein Tuch für die Linse packen, da es überall von den Felsen dröppelt.

Ein Stativ würde sich theoretisch aufgrund der zickigen Lichtbedingungen gut machen, erst recht, wenn man auf den Polfilter partout nicht verzichten will. Allerdings wird das bei den restlichen Besuchern auf eher weniger Verständnis stoßen, die dann auf dem engen Pfad über Fotograf UND Stativ hinwegsteigen müssen. Ganz abgesehen davon, daß das auch nicht immer verwacklungsfrei vonstatten geht.

Ersatzweise bewährt hat sich dafür das „Guerilla-“ Stativ. Das ist nichts anderes als ein langes dünnes Seil, mit jeweils einem Stöckchen an den Enden, das mittels Schraube (zum Beispiel vom Stativ) am Stativaufnahmepunkt (nennt man das so?) der Kamera befestigt wird. Auf die beiden Enden stellt man sich breitbeinig drauf, hält das Seil schön straff und voilá – die Kamera liegt nicht mehr so zittrig in der Hand.

Das ist natürlich nicht so professionell und solide wie das Lieblings-Manfrotto, aber diese Leichtbauvariante hat durchaus Vorteile:

  1. In Kirchen, Museen, etc. wird einem als Digitalspiegelreflexkameraverwender nicht gleich unterstellt, als gewerblicher Lichtbildner die ganzen schönen Postkartenmotive finanziell für sich ausbeuten zu wollen. Statt dessen ergeben sich immer wieder nette Gespräche mit anfangs irritierten, dann faszinierten Museumsmitarbeitern. Falls nicht – mit einer Schnur in der Hand verkrümelt es sich einfacher als mit einem ausgefahrenen Stativ *g*
  2. Sie paßt in die Hosentasche.
  3. Preislich unterbietet diese Lösung JEDE Mediamarkt-Verkaufsaktion.

 

Auf dem Weg zur Partnach gibt es dann auch noch ein paar klassische Postkartenmotive

  • Schneebedeckter Gipfel mit Wald und Wiese im Vordergrund
  • jede Menge Plümchen und Käferchen
  • Pferdekutschen
  • Landwirte bei der Arbeit

… und diesen kleinen Bach hier, an dem man wunderschön Langzeitbelichtung üben kann (dann aber mit richtigem Stativ).

Bild

Nicht wundern, wenn dann mal einer der Bauern anhält und sich seinerseits wundernd fragt, was denn an dem Rinnsal so interessant wäre. Wer in so einer unglaublichen Landschaft leben und arbeiten darf, der wird halt wählerisch.