Fototip: Chiemsee I – Die Herreninsel

Hej,

nach nun doch längerer Pause gibt es heute mal wieder einen neuen Fototip. Nach der geballten Ladung Dresden in den letzten Beiträgen geht es diesmal allerdings zurück in den südlichsten Freistaat, nach Bayern – meiner zweiten Heimat. Herbstfeuerwerksfarbensuchenderweise verschlug es mich nämlich an den Chiemsee, oder besser auf seine beiden größten Inseln – die Frauen- und die Herreninsel. Ihre Namen haben die Inseln von 2 Klöstern, dem Augustinerchorherrenstift auf Herrenchiemsee und dem Benediktinerinnenkloster auf Frauenchiemsee. Zumindest das Frauenkloster ist auch noch aktiv, wie ich gesehen habe.

Der Chiemsee selbst, der nicht nur wegen seines mitunter stürmischen Temperaments auch „bayerisches Meer“ genannt wird, ist mit einer Fläche von 79,9 km² Bayerns größter See und belegt in Deutschland nach Bodensee und Müritz immerhin noch Platz 3! Nur im Wasservolumen muß er sich in Bayern dem Starnberger See geschlagen geben, der in diesem Punkt um die Hälfte größer ist. Der See entstand vor ca 10.000 Jahren, also  am Ende der letzten Eiszeit, als Ausschürfung eines Gletschers. Dies gilt übrigens für die meisten Seen im bayrischen Oberland. Er war früher fast dreimal so groß, ist aber im Laufe der Jahrhunderte – auch durch die menschliche Kultivierung der Landschaft – a bisserl eingelaufen. Der Chiemsee hat insgesamt 4 Inseln, neben der schon erwähnten Herrenchiemsee und Frauenchiemsee sind das noch die Krautinsel und die … ähm…“Insel“ Schalch, beide unbewohnt.

Die beiden großen Inseln werden von der Chiemseeschiffahrt angefahren, hauptsächlich von Prien und von Gstadt aus. (kleiner Tip, Parken in Gstadt ist etwas billiger, 2-3 € in Gstadt, 4,50€ in Prien). Hier der Link zu den Fahrplänen der Flotte. Im Moment gilt gerade der Winterfahrplan: http://www.chiemsee-schifffahrt.de/files/chiemseeschifffahrt/pdf/fahrplan02.pdf Den Fahrplan zu lesen ist irgendwie eine Wissenschaft für sich –  also zur Vorsicht lieber noch mal auf den Schiffchen fragen. Grundsätzlich ist es logistisch günstiger, wenn man sein Auto in Gstadt stehen hat, denn die Schiffe fahren auch etwas später noch dorthin zurück.

Heute jedoch schauen wir uns erst einmal die Herreninsel an… Wie schon gesagt, heißt die Herreninsel vor allem wegen der Augustinermönche so (selbstverständlich dürfen auch Frauen hier den Fuß an Land setzen). Herrenchiemsee hatte aber auch noch einen weiteren berühmten Bewohner, nämlich Bayerns Märchenkönig, den einzig wahren Kini, Ludwig 2!

Er hat sich hier das Schloß Herrenchiemsee bauen lassen, eine ausgesprochen feudale Datscha, dem französischen Versailles nachempfunden. 01_HerrenchiemseeUnd zwar tatsächlich nachempfunden! Irgendwie hatte der Kini wohl einen Narren am französischen Namensvetter gefressen, denn vor allem das Innere des Schlosses sollte eine möglichst getreue Kopie mit zig 100 Zimmern sein. Selbst die Gemälde an den Wänden waren Kopien aus dem französischen Vorbild, sogar die Portraits! Als ob Bayern nicht genug spannende Geschichte (von der Lechfeldschlacht bis Herzog Max) und Landschaft bieten könnte. Aber nö…

Leider war das bauliche Vergnügen auch ein äußerst kostspieliges – das bayrische Versailles (das nie fertig wurde) kostete mehr als Neuschwanstein und Linderhof zusammen! Gedacht war es als Herbstresidenz, bewohnt wurde es von Ludwig jedoch nur ganze 10 ( in Worten: zehn!) Tage. Danach reiste er ab und ging wenig später mit einem finalen Bad im Starnberger See in das Reich der Mythen ein. Geblieben ist ein weiteres unvollendetes Märchenschloß – mit faszinierenden Wasserspielen…

03_Herrenchiemsee

02_Herrenchiemsee… und einem herrlichen Blick auf den Chiemsee.

04_Herrenchiemsee05_HerrenchiemseeNebenbei, das Foto ist „out of the Cam“, dieser „wie-gemalt“-Effekt entsteht durch eine leicht diesige Wetterlage und eine 640er ISO. Rauschen ist also doch zu was gut! 🙂

Hier noch zwei Bilder vom Chorherrenstift. Reinzugehen habe ich diesmal allerdings nicht geschafft, wegen des letzten Dampfers nach Gstadt. (Wenn ich mal groß bin, gönn ich mir, glaub ich, ein eigenes Schifferl da unten… Also vielleicht. A bisserl kleiner halt.)

06_Herrenchiemsee 07_HerrenchiemseeUnd hier eine echte Rarität auf meinem Blog – ein Gruppenbild! Wie es sich in Bayern so trifft, trifft man sich oft ganz unverhofft und so lief ich am Steg meinem lieben Freund Titus über den Weg, der sich – so ganz nebenbei – seinen Ehrennamen aufgrund seiner beeindruckenden Kenntnisse über Rom und die lateinische Sprache redlich verdient hat ;). Diesmal betätigte er sich allerdings als natural born Fremdenführer für seine kanadischen Freunde. Dieses Bild ist für Dich, Titus!

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Guys, it was really a pleasure to meet you! I hope you still had some amazing days in our beautiful bavaria. Greetings to Canada!

Und dann war es auch schon wieder Zeit für mich, den Heimweg – oder besser die Heimfahrt – anzutreten. Die Fraueninsel habe ich an diesem Abend nicht mehr geschafft, dafür bin ich dann am nächsten Tag extra noch einmal hingefahren. Die Bilder von dort gibt es dann unter diesem Link hier.

20_Gstad_Chiemsee

  Für heute sage ich Gute Naaacht!

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Fototip: Partnachklamm bei Garmisch-Partenkirchen

Da dieser Blog ja vor allem auch für die Vorstellung meiner Fotos gedacht ist (also über das 100er-Limits meines FC-Accounts hinaus), gibt es heute einmal Bilder aus der Partnachklamm bei Garmisch-Partenkirchen.

Die Klamm ist definitiv ein lohnender Fotospot im oberbayrischen Raum, aber sie ist auch recht anspruchsvoll – zumindest, wenn man mehr will, als die mittlerweile inflationäre Smartphoneknipserei.

Welche Motive erwarten den werten Wanderer?

Hohe, schroffe Wände, auch mal mit einer malerischen (und klapprigen) Brücke aus früheren Zeiten, als das noch der Weg für die Holztrifter, Boten und Wilderer war.

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Ein reißender Fluß (allerdings nur, wenn ausreichend Schmelz-/Regenwasser vorhanden) mit der typischen grün-türkisen   Gletscherwasserfärbung.

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Mit ein bißchen Glück Wasserfälle im Gegenlicht.

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Atemberaubende Momente, wenn sich hinter einer Biegung das Licht plötzlich bis hinunter in die Klamm kämpft und der Fels, der Gischtnebel vom Fluß und die tapfere Vegetation an den Wänden im Sonnenlicht erstrahlen.

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Ein schmaler Triftweg, der teilweise durch den Fels geschlagen wurde und natürlich Touris in ausreichender Anzahl.

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Die hohen, steilen Wände (die sich obendrein auch noch recht innig aneinander schmiegen) sorgen leider dafür, daß für den größten Teil des Tages das Licht nur vor sich hin dämmert. Daher sollte man spätestens gegen 10.00 Uhr an der Klamm sein (kostet übrigens 3,50 Euronen Eintritt), um einen möglichst hohen Sonnenstand ausnutzen zu können.

Welches Equipment ist hilfreich?

Wer sich mit Verlaufsfiltern ein bißchen auskennt, sollte diese ruhig einpacken. Kämpft sich die Sonne an der einen oder anderen Stelle doch einmal bis in die Klamm hinein, sind die Kontrastunterschiede ziemlich kraß. Die meisten Smartphones und Pocketknipsen kommen dabei an ihr Limit (Auch das iPhone!). Ein SoftGrad kann da durchaus hilfreich sein. Als Aufbewahrungsort empfiehlt sich unter den gegebenen Bedingungen allerdings eher die Gürteltasche als der Rucksack, da es auf dem Triftweg ziemlich kuschlig zugeht. In diese Tasche sollte man auch gleich noch ein Tuch für die Linse packen, da es überall von den Felsen dröppelt.

Ein Stativ würde sich theoretisch aufgrund der zickigen Lichtbedingungen gut machen, erst recht, wenn man auf den Polfilter partout nicht verzichten will. Allerdings wird das bei den restlichen Besuchern auf eher weniger Verständnis stoßen, die dann auf dem engen Pfad über Fotograf UND Stativ hinwegsteigen müssen. Ganz abgesehen davon, daß das auch nicht immer verwacklungsfrei vonstatten geht.

Ersatzweise bewährt hat sich dafür das „Guerilla-“ Stativ. Das ist nichts anderes als ein langes dünnes Seil, mit jeweils einem Stöckchen an den Enden, das mittels Schraube (zum Beispiel vom Stativ) am Stativaufnahmepunkt (nennt man das so?) der Kamera befestigt wird. Auf die beiden Enden stellt man sich breitbeinig drauf, hält das Seil schön straff und voilá – die Kamera liegt nicht mehr so zittrig in der Hand.

Das ist natürlich nicht so professionell und solide wie das Lieblings-Manfrotto, aber diese Leichtbauvariante hat durchaus Vorteile:

  1. In Kirchen, Museen, etc. wird einem als Digitalspiegelreflexkameraverwender nicht gleich unterstellt, als gewerblicher Lichtbildner die ganzen schönen Postkartenmotive finanziell für sich ausbeuten zu wollen. Statt dessen ergeben sich immer wieder nette Gespräche mit anfangs irritierten, dann faszinierten Museumsmitarbeitern. Falls nicht – mit einer Schnur in der Hand verkrümelt es sich einfacher als mit einem ausgefahrenen Stativ *g*
  2. Sie paßt in die Hosentasche.
  3. Preislich unterbietet diese Lösung JEDE Mediamarkt-Verkaufsaktion.

 

Auf dem Weg zur Partnach gibt es dann auch noch ein paar klassische Postkartenmotive

  • Schneebedeckter Gipfel mit Wald und Wiese im Vordergrund
  • jede Menge Plümchen und Käferchen
  • Pferdekutschen
  • Landwirte bei der Arbeit

… und diesen kleinen Bach hier, an dem man wunderschön Langzeitbelichtung üben kann (dann aber mit richtigem Stativ).

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Nicht wundern, wenn dann mal einer der Bauern anhält und sich seinerseits wundernd fragt, was denn an dem Rinnsal so interessant wäre. Wer in so einer unglaublichen Landschaft leben und arbeiten darf, der wird halt wählerisch.