Fototip: Chiemsee II – Die Fraueninsel

Ein neuer Tag und wieder mal in Gstadt am Steg… (Kleine Bairischlektion für Anfänger: Einfach ganz schnell und 3mal hintereinander „Gstadt am Steg“ sagen. Gstadt am Steg… Gstadt am Steg… Gstadt am Steg…).

Die Sonne meinte es heute sogar noch besser mit mir als am Tag davor. So sprang mir denn auch in Breitbrunn, dem Ort bevor man in Gstadt einrollt, auch noch diese perfekt ausgeleuchtete „Bayern“-Imagepostkarte vor die Linse. Also Fullstop mit dem 3er hingelegt und Kamera gezückt.

xx_Breitbrunn_ChiemseeNein, keine Sorge, ich blieb natürlich nicht mitten auf der Straße stehen. Statt dessen nutzte ich die Agilität des Heckantriebs, um kürzestmöglich auf einen Platz neben der Kirche einzubiegen. (Ja Mami, ich weiß…)

Dann erst ging es weiter an den See.

19_Gstadt_ChiemseeZu den Parkgebühren in Gstadt hatte ich ja schon im letzten Post etwas gesagt, aber um es genauer zu spezifizieren – die 2 € zahlt man am oberen Parkplatz, gleich wenn man in den Ort einrollt. Da läuft man zwar ein paar Meter mehr, aber soviel auch nicht. Und man kann mit dem Wohndampfer drauf parken, was auf dem unteren Parkplatz (3 €) an der Kirche nicht geht. Dafür fällt man von dem aus dann wirklich nur 2x um und stolpert über den Steg aufs Schiff.

Na gut. Heute also Fraueninsel.

Die Fraueninsel ist ein Paradies für Segler. Den ganzen Tag herrscht ständiges Kommen und Gehen – oder besser – Ein- und Auslaufen an den verschiedenen Stegen.

09_Frauenchiemsee11_Frauenchiemsee10_FrauenchiemseeDazwischen immer wieder ein paar Fischer, die hier seit immerhin 400 Jahren ihrem Handwerk nachgehen. Der Chiemsee hat mittlerweile auch wieder eine top Trinkwasserqualität und ist sehr fischreich, 28 Fischarten – darunter Aal, Barsch, Brachse, Hecht, Renke, Wels und Zander – drängeln sich hier um die besten Plätze im Netz.

12_FrauenchiemseeFür diese Vielfalt tun aber auch die Fischer selbst sehr viel. So setzen sie zum Beispiel jedes Jahr junge Renken im Wert von ca. 300.000€ wieder ein, um den Bestand zu erhalten. Immerhin holen die 16 Fischerfamilien, die das oft seit vielen Generationen betreiben, im Jahr 4 – 5 Tonnen Fisch aus dem Chiemsee – pro Familie, wohlgemerkt. Da muß man schon ein bißchen auf das Gleichgewicht mit der Natur achten.

Um auf der Insel zu verhungern müßte man sich also schon richtig Mühe geben. Es gibt mindestens 3 Restaurants und etliche kleine Gastgärten, in denen leckerer Fisch aus dem Chiemsee angeboten wird (die sind besonders gemein – wegen des verführerischen Dufts nach gebratenem und geräucherten Fisch).

Das Kloster lohnt definitiv ebenfalls einen Besuch, Es entführt den Besucher in die Vergangenheit um die erste Jahrtausendwende nach Christi. Während nämlich (viel) weiter nördlich Karl der Große den Sachsen noch „dezent“ das Christentum nahebrachte, war man in Bayern schon etwas weiter und so gründete Herzog Tassilo III. um 782 das Kloster Frauenwörth, Es steht also auf karolingischen Fundamenten. Zum Schutz der Nonnen legte man das Kloster extra auf einer Insel mitten im Chiemsee an. trotzdem schauten die Ungarn – etliche Jahrzehnte später – auf ihrem Weg zur Lechfeldschlacht unangemeldet vorbei. Aus dieser Zeit stammt auch das Torhaus, in dem man wunderschöne Fresken – ich schätze mal 10. Jahrhundert – bestaunen kann.

Als sich das Kloster von dem stürmischen Herrenbesuch etwas erholt hatte, entstand dann im 11. Jhd. die kleine Kirche gegenüber. Mit ihrer dunklen romanischen Halle, dem spätgotischen Netzrippengewölbe und den brennenden Bittkerzen überall, beamt sie den fantasievollen (oder belesenen) Besucher direkt ins sagenumwobene Mittelalter. Die Kirche ist der hlg. Irmingard gewidmet, der Schutzheiligen des Chiemgaus, und auch heute noch pilgern die Menschen hierher, um die Heilige um Beistand zu bitten.

Frauenchiemsee_2Wahl-4Als ich dann irgendwann aus der Kirche trat, stand ich etwas unerwartet im goldenen Licht des späten Nachmittags. Hm, da war ich wohl doch etwas länger in vergangene Zeiten abgeschwoffen… Das machte aber überhaupt nix, denn nun begann auf der Fraueninsel die schönste Zeit des Tages. Wenn die Sonne sich dem Horizont zuneigt und das Licht wärmer wird. Und einem auch nicht mehr ständig ganze Bus- äh… Dampferladungen von Touristen die Motive wegknipsen.

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Es kehrte Ruhe ein auf der Insel. Die Fischer kümmern sich um ihre Boote und ihre Ausrüstung…

13_Frauenchiemsee… und auch die Piers der Freizeitsegler leerten sich. Ein paar einsame Boote dümpelten noch an ihren Leinen am Steg oder an ihren Anlegestellen weiter draußen.

15_Frauenchiemsee14_FrauenchiemseeJetzt traf man auch den einen oder anderen Übernachtungsgast, der sich mit einem Buch oder einfach so auf eine Bank am Ufer setzte und zuschaute, wie die Sonne mit dramatischer Geste hinter der Herreninsel unterging.

Frauenchiemsee_2Wahl-816_Frauenchiemsee17_FrauenchiemseeIm letzten Licht des Tages glitt ein Segler beinahe lautlos an mir vorüber, aber das dezente Vibrieren meines Handyweckers erinnerte mich an das letzte Schiff zurück. Zeit zu gehen.

18_FrauenchiemseeAm Pier in Gstadt drehte ich mich dann nochmal um und betrachtete lange die ankernden Schiffe in der aufziehenden Nacht. Was für ein Tag. Was für ein Licht! Was für ein schönes Land. Gute Nacht Chiemsee, bis zum nächsten Mal! 21_Gstadt_Chiemsee 22_Gstadt_Chiemsee23_Gstadt_Chiemsee

 

Fototip: Chiemsee I – Die Herreninsel

Hej,

nach nun doch längerer Pause gibt es heute mal wieder einen neuen Fototip. Nach der geballten Ladung Dresden in den letzten Beiträgen geht es diesmal allerdings zurück in den südlichsten Freistaat, nach Bayern – meiner zweiten Heimat. Herbstfeuerwerksfarbensuchenderweise verschlug es mich nämlich an den Chiemsee, oder besser auf seine beiden größten Inseln – die Frauen- und die Herreninsel. Ihre Namen haben die Inseln von 2 Klöstern, dem Augustinerchorherrenstift auf Herrenchiemsee und dem Benediktinerinnenkloster auf Frauenchiemsee. Zumindest das Frauenkloster ist auch noch aktiv, wie ich gesehen habe.

Der Chiemsee selbst, der nicht nur wegen seines mitunter stürmischen Temperaments auch „bayerisches Meer“ genannt wird, ist mit einer Fläche von 79,9 km² Bayerns größter See und belegt in Deutschland nach Bodensee und Müritz immerhin noch Platz 3! Nur im Wasservolumen muß er sich in Bayern dem Starnberger See geschlagen geben, der in diesem Punkt um die Hälfte größer ist. Der See entstand vor ca 10.000 Jahren, also  am Ende der letzten Eiszeit, als Ausschürfung eines Gletschers. Dies gilt übrigens für die meisten Seen im bayrischen Oberland. Er war früher fast dreimal so groß, ist aber im Laufe der Jahrhunderte – auch durch die menschliche Kultivierung der Landschaft – a bisserl eingelaufen. Der Chiemsee hat insgesamt 4 Inseln, neben der schon erwähnten Herrenchiemsee und Frauenchiemsee sind das noch die Krautinsel und die … ähm…“Insel“ Schalch, beide unbewohnt.

Die beiden großen Inseln werden von der Chiemseeschiffahrt angefahren, hauptsächlich von Prien und von Gstadt aus. (kleiner Tip, Parken in Gstadt ist etwas billiger, 2-3 € in Gstadt, 4,50€ in Prien). Hier der Link zu den Fahrplänen der Flotte. Im Moment gilt gerade der Winterfahrplan: http://www.chiemsee-schifffahrt.de/files/chiemseeschifffahrt/pdf/fahrplan02.pdf Den Fahrplan zu lesen ist irgendwie eine Wissenschaft für sich –  also zur Vorsicht lieber noch mal auf den Schiffchen fragen. Grundsätzlich ist es logistisch günstiger, wenn man sein Auto in Gstadt stehen hat, denn die Schiffe fahren auch etwas später noch dorthin zurück.

Heute jedoch schauen wir uns erst einmal die Herreninsel an… Wie schon gesagt, heißt die Herreninsel vor allem wegen der Augustinermönche so (selbstverständlich dürfen auch Frauen hier den Fuß an Land setzen). Herrenchiemsee hatte aber auch noch einen weiteren berühmten Bewohner, nämlich Bayerns Märchenkönig, den einzig wahren Kini, Ludwig 2!

Er hat sich hier das Schloß Herrenchiemsee bauen lassen, eine ausgesprochen feudale Datscha, dem französischen Versailles nachempfunden. 01_HerrenchiemseeUnd zwar tatsächlich nachempfunden! Irgendwie hatte der Kini wohl einen Narren am französischen Namensvetter gefressen, denn vor allem das Innere des Schlosses sollte eine möglichst getreue Kopie mit zig 100 Zimmern sein. Selbst die Gemälde an den Wänden waren Kopien aus dem französischen Vorbild, sogar die Portraits! Als ob Bayern nicht genug spannende Geschichte (von der Lechfeldschlacht bis Herzog Max) und Landschaft bieten könnte. Aber nö…

Leider war das bauliche Vergnügen auch ein äußerst kostspieliges – das bayrische Versailles (das nie fertig wurde) kostete mehr als Neuschwanstein und Linderhof zusammen! Gedacht war es als Herbstresidenz, bewohnt wurde es von Ludwig jedoch nur ganze 10 ( in Worten: zehn!) Tage. Danach reiste er ab und ging wenig später mit einem finalen Bad im Starnberger See in das Reich der Mythen ein. Geblieben ist ein weiteres unvollendetes Märchenschloß – mit faszinierenden Wasserspielen…

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02_Herrenchiemsee… und einem herrlichen Blick auf den Chiemsee.

04_Herrenchiemsee05_HerrenchiemseeNebenbei, das Foto ist „out of the Cam“, dieser „wie-gemalt“-Effekt entsteht durch eine leicht diesige Wetterlage und eine 640er ISO. Rauschen ist also doch zu was gut! 🙂

Hier noch zwei Bilder vom Chorherrenstift. Reinzugehen habe ich diesmal allerdings nicht geschafft, wegen des letzten Dampfers nach Gstadt. (Wenn ich mal groß bin, gönn ich mir, glaub ich, ein eigenes Schifferl da unten… Also vielleicht. A bisserl kleiner halt.)

06_Herrenchiemsee 07_HerrenchiemseeUnd hier eine echte Rarität auf meinem Blog – ein Gruppenbild! Wie es sich in Bayern so trifft, trifft man sich oft ganz unverhofft und so lief ich am Steg meinem lieben Freund Titus über den Weg, der sich – so ganz nebenbei – seinen Ehrennamen aufgrund seiner beeindruckenden Kenntnisse über Rom und die lateinische Sprache redlich verdient hat ;). Diesmal betätigte er sich allerdings als natural born Fremdenführer für seine kanadischen Freunde. Dieses Bild ist für Dich, Titus!

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Guys, it was really a pleasure to meet you! I hope you still had some amazing days in our beautiful bavaria. Greetings to Canada!

Und dann war es auch schon wieder Zeit für mich, den Heimweg – oder besser die Heimfahrt – anzutreten. Die Fraueninsel habe ich an diesem Abend nicht mehr geschafft, dafür bin ich dann am nächsten Tag extra noch einmal hingefahren. Die Bilder von dort gibt es dann unter diesem Link hier.

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  Für heute sage ich Gute Naaacht!