Fototip: Wildpark Poing

Eine Premiere… Mein erster Fotoworkshopbesuch. Man liest und hört ja viel vom Sinn und Unsinn der zahllosen Fotoworkshops. Und man fragt sich: Tun es Bücher nicht auch? Bin ich noch ein Anfänger? Oder schon Fortgeschrittener? Bin ich da gut genug, damit sich das Geld rentiert…? Gerade beim Kosten-Nutzen-Verhältnis trennt sich ja die Spreu vom Weizen. Egal.

Irgendwann war ich an dem Punkt, wo sich zwar mein Bücherregal unter schlauen Ratgebern und Bildbänden bog (die ich sogar alle mehrfach gelesen habe), aber trotzdem hatte ich das Gefühl, irgendwie auf der Stelle zu treten. Fotoklubs sind nicht so mein Ding, also entschied ich mich für die bezahlte Belehrung.

In München ist daran ja kein Mangel und so stieß ich bald auf http://www.fotosafari-deutschland.de/. Vom Grundlagenlehrgang bis zum Architekturshooting wird dort eigentlich alles angeboten, was das Fotografenherz begehrt. Ich entschied mich für eine Outdoorsession im Wildpark Poing, denn erstens fehlen mir Tiere bisher komplett im Portfolio (anders als Landschaften bleiben die leider nicht geduldig stehen, bis ich mein Bild eingerichtet habe), zweitens kann man mit Viecherln in Action auch prima für Mitzieher an der Rennstrecke üben und drittens und letztens – wenn der Workshop selber schon nix werden würde, war ich wenigstens den ganzen Tag an der frischen Luft.

Ziegenkumpels

Um das Fazit gleich mal vorweg zu greifen: Alle drei Ziele haben sich mehr als erfüllt. Tiere knipsen hat soviel Spaß gemacht, daß ich das sicher nicht zum letzten Mal getan habe, ich habe unglaublich viel gelernt über (manuelle) Belichtung und auch Zielen bei schneller Bewegung des Opfers, und ich habe leichten Sonnenbrand im Gesicht und Muskelkater vom Wandern und Fotoschießen in Hockstellung. Alles in allem also ein guter Tag, der sich gelohnt hat. Er endete mit der Erkenntnis, daß man zwar fast alles aus Büchern lernen kann, aber die lehrreich unterstützte Praxis ist dann noch mal ganz was anderes. Der Dozent, Roger Riedel, war dabei eine große Hilfe. Angenehm unaufdringlich, aber aufmerksam, gab er immer wieder Hinweise auf die richtige Belichtung oder auch Übungsaufgaben zum Umsetzen des Gelernten. Er schaffte sogar das kleine Wunder, daß ich den ganzen Tag freiwillig komplett manuell fotografierte (eine weitere Premiere für mich!) – auch, wenn dabei nicht alles klappte.

Jolly Jumper

Jolly Jumper

Belichtung super. Der Focus sitzt… Aber für 1/200 startete der kleine Nager definitiv zu schnell durch. Hm, es müßte in solchen Tierparks Eichhörnchen geben, die auf Kommando springen…  Zum Üben.

Aber dafür hatte er vorher ganz herzallerliebst Modell gesessen:

Oachkatzl

So, wie übrigens auch der nächste Kollege – ein sehr dankbares Modell für Bewegungsstudien. Man kann sich beim Herumspielen mit ISO, Blende und Zeit soviel von derselbigen genehmigen – das ist schon ZEN.

Das Besondere an diesem Bild – auch wenn der Kollege eher einen gelangweilten Eindruck macht – ist die Abwesenheit vom vorderen Käfiggitter. Nicht, daß das die Dokumentation einer Tierbefreiungsaktion gewesen wäre (pst… doch nicht bei Tag!), der Trick ist: Einfach dicht ans Gitter gehen und mit dem Tele arbeiten. Das Gitter verschwindet dann wie durch Zauberhand im Naheinstellbereich des Objektivs.

Auch belichtungsmäßig gab es da noch so einige Tücken, so zum Beispiel die sehr großen hellen und dunklen Flächen. Je nachdem, welches Meßfeld die Kamera aktiviert, kann das zu Unter- oder Überbelichtung führen. Oder – mit der Wahrscheinlichkeit des Lottojackpots – auch zu korrekter Belichtung. Aber wir hatten ja Zeit.

Protest klein

Erste Amtshandlung: ISO festnageln. Nicht wenige Fotografen machen den Fehler, daß sie zwar Blende und Zeit manuell festlegen, aber die ISO-Automatik dabei vergessen. Das ist dann zwar nicht ganz für die Katz, denn der aufmerksame Leser dieses Blogs weiß schließlich, daß diese beiden Parameter ganz wesentlich für die Bildaussage sind. Aber ob das Licht reicht oder nicht, entscheidet dann immer noch die Kamera, indem sie ungefragt an der ISO schraubt. Also ISO-Automatik aus.

Da das Licht an diesem Tag bestens war – keine knallige Sonne, sondern eher lichte Bewölkung – tat es auch ISO 200.

Danach die Blende bestimmt. Klar, Blende 2,8 wäre toll gewesen (wegen verschwommenem Hintergrund und so). Aber mein voll ausgefahrenes Tele genehmigt nur 6,3 und höher. Take it or leave it. Also 6,3. Jetzt wird’s ernst. Um eine sehr korrekte Belichtung des Vogels zu erwischen, die Kameramessung fein abstimmen. Also…

  • Einzelautofokus mit Meßpunkt in der Mitte.
  • Meßfeldsteuerung Einzelfeld.
  • Belichtungsmessung mittenbetont oder sogar Spot.

Und um das Meßbild besser nach ausgefressenen (überbelichteten) Stellen checken zu können, die Bildanzeige auf dem Display auf „Lichter“ umschalten (ist bei mir aber ohnehin die Standardeinstellung).

Dann das Gefieder des inzwischen hyperventilierenden Models anvisieren und – Probeschuß. Wenn dann beim Meßbild zuviel blinkt, war’s zu hell. Blende und Iso sind fix, also Verschlußzeit kürzer. Bis es paßt. DAS war dann übrigens der Moment, in dem obiges Bild entstanden ist.

Was affektierte Ignoranz angeht, kann ich von diesem Model hier übrigens noch einiges lernen.

Pfau kleinAber ich kann den geneigten Leser beruhigen: Der ganze Meßbrimborium muß nicht jedesmal in dieser Umfänglichkeit aufs Neue zelebriert werden. Nur, wenn es wirklich drauf ankommt. Und mit zunehmender Übung reicht auch schätzen. Ein sehr gutes Buch, was ich in dieser Hinsicht empfehlen kann, ist von Sam Jost: „Manuell Fotografieren mit der Digitalkamera“.

Und solange die Lichtverhältnisse etwa gleich bleiben und kein besonderer Wert auf eine andere Blende oder Verschlußzeit gelegt werden, kann die Einstellung unverändert bleiben. Sogar bei ganz anderer Helligkeitsverteilung wie bei diesem Low Key hier:

Bison

Bison

Dieser sanfte Riese stand keine 3m von mir weg. Übrigens eine weitere Premiere meinereinerseits – der erste Herrscher der Prärie, den ich in meinem Leben live und in Farbe gesehen habe.

Ebenso ging es mir bei diesem Luchs hier, auch wenn die tiefenentspannte Katze sich im dichten Gezweig einer umgestürzten Fichte niedergelassen hatte und uns nur ab und an eines kurzen Blickes würdigte. Aber immerhin. Sie würdigte.

Luchs kleinDer Sturm letztens hat in dem Wildpark überhaupt ganz schön gewütet. Das Versteck des Luchserichs war nicht das einzige Opfer. Überall – auch in den Gehegen – entwurzelte und abgebrochene Bäume. Und auch das eine oder andere Inventar ging ebenfalls zu Bruch. Da lernt man mal wieder Respekt vor der Natur.

Bude_001

Aber zurück zur Lichtbildnerei…

Nachdem wir an den Slow-Motion Models ausgiebig geübt hatten, wurde im nächsten Menügang gleich mal zwei Gänge hochgeschaltet. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Eine Greifvogelschau! Pfeilschnelle Falken, Bussarde, Uhus und Adler – unschönerweise meist auch noch perfekt getarnt mit ihrem Federkleid. Was immer wir bis dahin gelernt hatten an diesem Tag – jetzt würden wir es brauchen.

Zunächst zu den Vorbereitungen…

Wohl jeder, der schon einmal Vögel am Himmel abgebildet hat, wird sich irgendwann einmal gewundert haben, daß die Birdies selbst bei strahlendem Sonnenschein meist nur als schwarze Silhouette erkennbar waren. Und das, obwohl der Knipskasten so verdammt teuer war!

Der Grund ist denkbar einfach: Heller Himmel (große helle Fläche) und kleiner dunkler Vogel (kleine dunkle Fläche). Um den weiten Himmel nicht überzubelichten, nimmt die Kamera die Belichtung zurück und „übersieht“ dabei den kleinen armen Vogel. Der wird dann halt schwarz. Das ist alles.

Aber auch dafür gibt es Abhilfe, nämlich eine Abwandlung zur Eulenübung weiter oben. Legen wir also erstmal die Prämissen fest…

Diese Vögel sind schnell, verdammt schnell! Also mit einer Verschlußzeit unter 1/1000 braucht man gar nicht erst abdrücken.

Schneefalke

Doch auch die Blende sollte man nicht außer acht lassen. Da die schnellen Jäger ja nicht nur im vorgeschriebenen, gleichmäßigen Sicherheitsabstand am Fotografen vorbeizischen,…

Weißkopf-Seeadler

Weißkopf-Seeadler

sondern auch mal geradewegs Kurs auf den Künstler selbst nehmen, ändert sich der Abstand zur Kamera immer wieder sehr schnell.

Wählt man eine zu große Blende (kleine Blendenzahl) und kommt der Autofokus nicht hinterher, ist der Vogel schneller wieder aus dem Schärfentiefebereich heraus, als die Kamera denken kann. Dann wird vielleicht das Gezweig der Bäume im Hintergrund scharf, aber der Vogel nimmer. Andererseits ist es ja nicht verkehrt, wenn das Gestrüpp im Hintergrund ein bißchen unscharf wird, um den Blick auf den Star zu lenken…

Ein sibirischer Uhu, Mit seinem hellen Federkleid perfekt getarnt für die Birkenwälder seiner Heimat.

Ein sibirischer Uhu, Mit seinem hellen Federkleid perfekt getarnt für die Birkenwälder seiner Heimat.

Jetzt zur ISO: Für eine möglichst ausgewogene Belichtungsmessung suche man sich eine grauähnliche Fläche in mittlerer Entfernung. Hier bot sich ein rindenloser, ausgeblichener Baumstumpf in der Mitte des Platzes an. Messung wie bei der Eule weiter oben. Und diesmal sollte man wirklich genau zielen. Ein Probebild. Paßt.

Und jetzt darf die Kamera einmal zeigen, was sie kann. Der Autofokus wird auf kontinuierlich eingestellt (Nikon: AF-C) und die Meßfeldsteuerung auf „Dynamisch“. Der Rest ist dann Glückssache. Und nicht traurig sein, wenn es nicht gleich klappt, die Ausschußquote bei mir war so etwa 50%, beim Rest hat zumindest das Technische gestimmt, wenn der Bildaufbau auch meist für die Tonne war. Die wenigen Glückstreffer stehen hier im Blog. Von etwa 100 Versuchen…

Attacke klein

Nach soviel Aufregung brauchten wir etwas Beruhigendes. Zum Beispiel ein paar süße, knuddelige… Braunbären.

Bärchen_001Die Perspektive so von oben herab ist natürlich nicht das Optimum. Der klassische Tourischuß halt. Tierfotos machen sich besser in Augenhöhe. Aber andererseits… Bär am WasserWas, wenn die plüschigen Steiffbären doch mal richtig sauer werden?

Sprach der weise Goldfasan…

Pharao

Das besondere an diesem Foto ist die bewußte Unterbelichtung, die alles Unwichtige im Dunklen verschwimmen und dafür das Goldene Gefieder und die Orange Punkfrisur um so kräftiger strahlen läßt (wobei da auch ein paar Strahlen der weicheren Nachmittagssonne geholfen haben). Da hilft nur ausprobieren. Das Original sah übrigens bei normaler Beleuchtung so aus:

Goldfasan

Und damit wären wir auch schon fast am Ende eines langen, lehrreichen Tages angelangt. Fast! Denn meine absoluten Lieblinge habe ich noch gar nicht gezeigt. Hier sind sie:

Mit diesen Prachtburschen endete der Tag dann wirklich. Müde, aber glücklich gingen wir auseinander und fuhren nach Hause.

PS: Für mich hat sich der Workshop echt gelohnt. Wird nicht der Letzte gewesen sein.

Das Geheimnis von Blende, ISO und Zeit

… ist eigentlich (rückblickend) gar nicht so kompliziert, wie Wikipedia tut. Natürlich war die berühmt-berüchtigte Online-Enzyklopädie meine erste Wahl als Quell des Wissens. Und ich habe mich auch ganz brav durch die verschiedenen Artikel geackert, bis ich endlich gewappnet war – nicht unbedingt für das freihändige Fotografieren, aber immerhin für die Diskussionen mit den Profis meiner Fotocommunity. DER Fotocommunity.

Und dann, eines schönen Tages, kam da ein netter älterer Herr in unser Forum gestolpert und stellte Fragen. Anfängerfragen. Ganz unschuldig und unbedarft. Warum der wunderschöne Forsythienstrauch trotz automatischer Belichtung so fad aussah? Wie man das denn so hinkriegt mit dem unscharfen Hintergrund und so? Und überhaupt, wie das dann mit dieser Verschlußzeit zusammenhing… Und hilfsbereit, wie FCler so sind, bekam er natürlich auch prompt sehr durchdachte, sehr umfassende und sehr wissenschaftliche Antworten. Die er aber trotz besten Willens nicht begriff. Und er fragte wieder. Mit anderen Worten, aber gleichem Inhalt.

Die Antworten wurden kürzer und ungeduldiger, aber nicht unbedingt verständlicher. Also überlegte ich, ob man es denn mit anderen Worten oder bildhafteren Vergleichen ausdrücken konnte. Und während ich so überlegte, geschah etwas Erstaunliches. Zum ersten Mal begriff ich tatsächlich, was hinter dem angelernten Wissen steckte. Denn im Grunde genommen geht es bei der ganzen vertrackten Belichterei nämlich immer nur um einen Punkt – wie kombiniere ich die verschiedenen Einflüsse so, daß ich für mein Bild die passende Dosis Licht einsammle?

Weg des Lichts

Ich sage ganz bewußt die passende Dosis, denn DIE richtige, allgemeingültige Menge gibt es leider nicht. Der „Low Key“ Erotik-Künstler hat da wahrscheinlich andere Bedürfnisse als der Handwerker, der Produkte für einen Katalog fotografiert. Und der Modefotograf, der am sonnigen Strand ablichtet, hat eine andere Intention als der Landschaftsfotograf, der unter der gleichen Sonne arbeitet.

Also, die erste Frage lautet: Wieviel Licht brauche ich? 

Das hängt nämlich von meinem Ziel ab – möchte ich bestausgeleuchtete Details zeigen (Katalog) oder schummrig-schöne Szenen (Lagerfeuer)? Hell oder dunkel?

Habe ich das geklärt, stelle ich mir die zweite Frage: Mit welchen Einstellungen nutze ich dieses Licht am besten?

Da wäre zunächst einmal die ISO – die Empfindlichkeit. Die kann man sich wie eine Art Verstärker vorstellen, mit der man das Licht „lauter“ dreht. Und so wie ein Lautsprecher ab einer bestimmten Dezibelgrenze das Kratzen anfängt, so beginnt der Sensorchip in der Kamera zu „rauschen“. Was das ist, versuche ich später zu erklären. Früher, als die Bilder noch auf Zelluloid gebannt wurden, hieß dieser Zustand übrigens „Korn“, war mitunter gewünscht und verlieh dem Bild sogar eine authentische Note. Heute lässt das potentielle Rauschen die Pixelfetischisten fast in Panik ausbrechen. Bezüglich meiner Kamera kann ich aber zum Glück sagen, bis mindestens 1600 ASA merk ich nix. Und das ist – verglichen zum Beispiel mit den früher üblichen 400 ASA bei Zelluloid – eine Hausnummer, die man sich mal auf der Zunge zergehen lassen sollte! Für das aufgenommene Licht gilt jedenfalls:

Doppelte ISO halbiert die notwendige Lichtmenge.

Ungefähr so, wie ein sparsames Turbodieselchen mit dem höheren Ladedruck nur die Hälfte Sprit für die gleiche Strecke braucht (oder weniger), verglichen mit einem durstigen Muscle Car. Wobei letzteres mitunter mehr Spaß macht. Was mich von der schnellen Rundenzeit zur zeitlichen Komponente der Lichtbildnerei bringt – der Verschlußzeit.

Grad so, wie ich bei halbem Wasserdruck den Wasserhahn doppelt so lange offen halten muß, um den Wassereimer zu füllen, gilt auch hier:

Die einfallende Lichtmenge verdoppelt sich bei doppelter Verschlußzeit.

Aber… die Bildwirkung kann eine ganz andere sein! Während ich mit einer sehr kurzen Verschlußzeit eine Bewegung regelrecht einfriere – den fallenden Wassertropfen zum Beispiel oder das Rallye Car, das über die Kuppe hüpft – kann ich mit einer längeren Verschlußzeit die Dynamik einer Bewegung darstellen. So wird aus den fallenden Wassertropfen am Wasserfall ein weißer, verträumter Schleier im Feenwald. Und erst dank der leicht verschwommenen Konturen des Ford Focus WRC begreift der Bildbetrachter, daß da kein Langsamer durch die Weinberge kachelt (dem ich dann wahrscheinlich entrückt mit weit aufgerissenen, leuchtenden Augen hinterher schaue).

… was mich zur letzten Stellschraube bringt – der Blendenöffnung, meistens kurz Blende genannt.

Denn vorstellen kann man sich selbige durchaus so ähnlich wie die Iris des menschlichen Auges (Ich entschuldige mich besser gleich mal im Voraus bei allen Biologen und Medizinern für die unsachliche Beschreibung…):

Wenn es draußen hell ist, zieht sich die Iris zusammen und die Pupille wird ganz klein. Die geringe Lichtmenge, die dabei noch durchgelassen wird, schont dann auch den Morgenmuffel, dem das sommerlich helle Sonnenlicht noch zu viel des Guten ist.

Ist es dagegen dunkel, weitet sich die Iris und die entstandene Lichtöffnung lässt mehr Licht hindurch, zum Beispiel um eventuell kreuzende Rehe des Nachts auf der gewählten Ideallinie erkennen zu können. Was dem Reh manchmal auch nicht mehr hilft. Oder dem Autofahrer. Aber das ist eine ganz andere Geschichte.

Ähnlich verhält es sich mit der Blendenöffnung, nur daß diese nicht wie die Iris aus einer Art Muskelgewebe besteht, sondern aus vielen, genau berechneten, im Kreis angeordneten Lamellen, die bei Bedarf enger zusammenrücken. Die Blende ist bei einer Kamera mit Wechselobjektiven Teil des Objektivs. Unterteilt werden die sogenannten Blendenstufen in einer so genannten Blendenreihe. Die größte Blendenöffnung (Aufpassen: Kleinste Blendenzahl!) bezeichnet dabei gleichzeitig die sogenannte Lichtstärke eines Objektivs. Die Blendenzahl ist eigentlich der Kehrwert 1/k vom Verhältnis Brennweite/Blendenöffnung, wobei die Blendenöffnung dem Durchmesser der „Pupille“ entspricht. Daher wird sie auch meist als „f/…“ geschrieben (aber als „Blende …“ gesprochen). Ja, Fotografen sind irgendwie anders. Mathematisch jedenfalls bedeutet das bei einer gleichbleibenden Brennweite (Teiler), daß die Blendenzahl kleiner wird, wenn die Blendenöffnung (Nenner) größer wird. Eine einfache Blendenreihe mit einer ganz passablen Lichtstärke wäre zum Beispiel:

– 2,8 – 4 – 5,6 – 8 – 11 – 16 – 22 –

Die putzigen Zahlen kommen zustande, indem man für eine Blende den Vorgängerwert näherungsweise mit √2 multipliziert, also zum Beispiel 4 = 2,8 x √2  (Die Berechnung der Kreisfläche läßt grüßen.). Abhängig von Kamera oder Objektiv kann diese Reihe noch erweitert werden, durch halbe oder Drittelstufen.

Und damit wären wir auch schon beim komplizierten Teil, der Lichtmenge. Denn anders als bei ISO oder Verschlußzeit wird die einfallende Lichtmenge bei verdoppelter Blendenzahl nicht etwa auch verdoppelt! Nee, das wäre zu einfach. Hier gilt nämlich:

Die einfallende Lichtmenge halbiert sich mit der nächsthöheren Blendenzahl!

Doch die einfallende Lichtmenge ist nur die halbe Miete bei der Bildgestaltung, denn auch die optische Wirkung ändert sich: Vereinfacht gesagt, je kleiner die Blendenzahl, desto unschärfer der Hintergrund. Das nennt sich freistellen. Umgekehrt, je höher die Blendenzahl, desto schärfer wird das ganze Bild. Meiden sollte man dabei die kleinste und die größte Blendenzahl, da dort die Abbildungsqualität wieder schlechter wird. Warum das so ist, dazu komme ich vielleicht später mal (wenn ich es denn selbst endlich begriffen habe… ). Bis dahin gilt: „Is so!“

Das alles sollte man so ganz grob im Hinterkopf haben, wenn man sich die eingangs gestellte Frage frägt: Wie mache ich das Beste aus dem vorhandenen Licht?

Merke:

Bei wenig Licht:   ISO höher, Verschlußzeit länger, Blendenzahl kleiner

Bei zuviel Licht:   ISO tiefer, Verschlußzeit kürzer, Blendenzahl höher, Graufilter (aber das ist eine andere Geschichte)

Na dann, viel Spaß beim Ausprobieren!