Fototip Elbschlösser III: Schloß Albrechtsberg

Park AlbrechtsbergAlbrechtsberg mit seinem weitläufigen Park liegt gleich neben dem Lingnerschloß – der früheren Villa Stockhausen – nach der Dresdner Altstadt hin. (Die Bilder von Schloß Albrechtsberg wurden übrigens alle am Morgen gemacht. Am Abend hatte ich zu lange bei Lingners herumgetrödelt, so daß das Licht dann nicht mehr so gut war.)

Hat man sich durch das Gebüsch gekämpft, findet man sich in einer zauberhaften Waldlandschaft wieder, mit sonnenbeschienenen Lichtungen.

Das mit Abstand schönste Motiv aber ist ein kleiner Teich mit einer Fontäne, der erst im Licht der Morgensonne seine ganzen Schönheit offenbart. Allein dafür hat sich das zeitige Aufstehen (5:30 Uhr) definitiv gelohnt.

Lingnerschloß Teichfontäne IV

Teich Albrechtsberg   Iris

Betrachtet man Albrechtsberg von der Parkseite aus, schaut das Schloß noch recht schmal und bescheiden aus, doch wenn man dann näher kommt, entpuppt sich der ehemalige Pionierpalast als formidables Gemäuer, noch prächtiger und größer als das Lingnerschloß nebenan.

Schloß Albrechtsberg   Albrechtsberg Elbseite

Die Elbseite des Schlosses betritt man durch einen wunderschönen Torbogen, unter dem man sich nur zu gut vorstellen kann, wie man dort einst glänzende Feste feierte.

Normalerweise kann man von hier aus zum römischen Bad absteigen, daß man auch von der gegenüberliegenden Elbseite aus sieht, aber im Moment wird das Römische Bad gerade restauriert und ist abgezäunt. Nun ja, nächstes Mal.

Überhaupt wartet Albrechtsberg mit einem ganzen Abenteuerspielplatz an Motiven auf – Torbögen, düstere Durchgänge wie in einer echten Burg, jede Menge Skulpturen und pittoreske Nebengebäude wie zum Beispiel dieses Gewächshaus, das mit den mediterranen Pflanzen, der kleinen Brücke und dem Schattenwurf der Bäume schlicht bezaubernd aussah.

Gewächshaus Albrechtsberg

Nachdem das Treibhaus schon so vielversprechend aussah, schlich ich neugierig weiter. Auch die Langseite war ein schönes Motiv, sogar das eine oder andere Plümchen habe ich (ausnahmsweise) mitgenommen.

    Gelbe Blume   Rosa Blume  

Gewächshaus Albrechtsberg

Direkt hinter dem Gewächshaus erwartete mich eine weitere Überraschung. Schon, als ich an der Langseite entlangging, fielen mir die Nutzbeete mit Gemüse und Kräutern etwas unterhalb der Plattform auf, auf der das Treibhaus stand. Noch während ich mich fragte, wer sich wohl darum kümmerte, entdeckte ich die Urheber. Von Bäumen und hohen Büschen umgeben stand da ein Landhaus mit einer schönen Terrasse, daß ohne weiteres in einem französischen Film hätte reüssieren können, inklusive dem romantischen Garten mit den rechteckigen Gemüse-, Kräuter- und Blumenbeeten und der einladenden Bank.

Nebengebäude Albrechtsberg

franz_BankMinutenlang stand ich da und habe einfach nur diesen Anblick aufgenommen. Die Luft war noch kühl und klar. Die Vögel sangen. Alles paßte.

Endlich riß ich mich los. Schließlich wartete ja noch die Vorderfront von Albrechtsberg der fotografischen Entdeckung – eine Fassade, die schon von der Bautzner Straße aus (die zum Weißen Hirsch hoch führt) einen beeindruckenden Anblick bietet.


Straßenfront A_burg

Einfahrt Schloß AlbrechtsbergÜber einen halb zugewachsenen Trampelpfad um das Schloß herum schlug ich mich zur Straßenseite durch. Wobei dieser profane Begriff der Szenerie nicht wirklich gerecht wird, denn gerade zur Straße hinaus zeigt das Schloß seine repräsentative Seite.

Die „kleine“ klassizistische Gartenanlage ist wunderschön, mit zwei Wasserbecken auf unterschiedlichen Ebenen, Wasserspiel, geometrischen Blumenbeeten altmodischen Lampen und den stilgetreuen Nebengebäuden, die das Ensemble abrunden.

Albrechtsberg - Blick zur Straße    Wasserspiel Albrechtsberg

Wasserspiel Albrechtsberg     Blumenbeet Albrechtsberg

Torwache Albrechtsberg

So langsam stieg die Sonne höher und es wurde richtig warm. Da bot sich der Wald auf der Elbseite an, der auch noch zu den Parkanlagen gehört. Auch dort findet man wunderschöne Motive, aber – wie ich feststellen mußte – nicht um diese Tageszeit.

Der Baumbestand dort ist sehr alt, hoch und dicht, so daß früh am Morgen kaum Licht bis zum Boden dringt. Eigentlich schade, denn dort warten unter anderem steinerne Viadukte und eine künstliche Burgruine nebst Wasserfall darauf, vom Fotografen entdeckt zu werden.

Aber so habe ich wenigstens einen Grund, im Herbst noch einmal wieder zu kommen – oder im Winter vielleicht? Wer weiß… Jetzt war erst einmal Zeit für Frühstück.

Insgesamt habe ich so um die 3 Stunden bei den Schlössern zugebracht, aber ich bin mir sicher, daß ich nur einen Bruchteil der Schönheiten dort entdeckt habe. Wer in der Nähe von Dresden wohnt oder dort zu Besuch ist, sollte sich das Areal nicht entgehen lassen – und sei es nur auf eine Roster und einen Steiger vom Faß im Lingnerschen Biergarten. Für heute soll es das jedenfalls gewesen sein.

Fototip Elbschlösser II: Das Lingnerschloß

Das Lingnerschloß ist das mittlere der Anwesen. Ursprünglich gebaut für Baron von Stockhausen, gehörte es kurz nach der Jahrhundertwende Karl August Lingner, einem Chemiefabrikanten und Philantropen, der vor allem durch seine Aufklärungsarbeit zur Hygiene und sein ODOL-Mundwasser bekannt und reich wurde. Zwei Wochen vor seinem Tod vermachte er das Schloß der Stadt Dresden, unter der Bedingung, daß die Bürger und Besucher Dresdens das Recht haben, Schloß und Anwesen zu ihrer Erholung und Freude nutzen zu dürfen. Dazu gehörte auch die Auflage, auf dem Anwesen einen Biergarten zu betreiben, der billiger sein sollte, als die Gastbetriebe der Umgebung und das gilt bis heute. Ein wechselndes Getränk schlägt immer alle anderen Preise.

LingnerterrassenDas Angebot im Biergarten kann sich übrigens durchaus sehen lassen. Von den Sächs’schen Glassigern Würzfleesch, Roster und Kartoffelsalat über bayrisches (Obatzda und Bretzn) bis hin zu griechischem Salat gibt es allerhand bezahlbares zur Auswahl und auch die Getränkekarte ist durchaus ausflugstauglich.

Im Schloß selbst gibt es auch noch ein (etwas höherpreisiges) Restaurant, dessen Essen sehr gut sein soll.

Das Lingnerschloß ist an der elbabgewandten Seite umgeben von einem englischen Landschaftspark (wobei der Rasen eher fröhlich vor sich hinwuchert).

Parkseite LingnerschloßAn diesem Foto sieht man auch schon die Schwierigkeiten mit dem Licht. Abends liegt die Parkfront im Schatten (was aber auch die Spitzlichter reduziert).

Das Foto vom nächsten Morgen sieht da schon besser aus und praktischerweise hat da sogar der Mond eine fotogene Statistenrolle übernommen, ebenso wie der Baum neben der Fassade, der reizvolle Schatten wirft.   Lingnerschloß morgens

Das Schloß aus der Nähe bietet eine Fülle von Motiven – zum Beispiel Säulengänge, barocke Statuen, ein Springbrunnen im Brunnenhaus und ein kleiner Weinberg am Elbhang. Man kann das Schloß auch innen besichtigen (11.00 – 17.00 Uhr), aber das habe ich zeitlich nicht geschafft.

Zu den Motiven:

Während die Parkseite schon sehr majestätisch und britisch nobel wirkt, fallen auf der Elbseite auch ein paar zerbrochene Fensterscheiben auf. Das Schloß wird von einem Trägerverein erhalten – sicher keine leichte Aufgabe, zumal das Schloß nach dem Ende der DDR stark vernachlässigt wurde – und da müssen Reparaturen eben warten, bis wieder genügend Geld da ist. Großes Fassadenfoto fällt also aus, es sei denn man ist photoshopsüchtig. 😉 Aber dafür gibt es zum Beispiel diesen schönen Säulengang.

Säulengang Lingnerschloß     Springbrunnen Lingnerschloß     Springbrunnen Lingner

Brunnenhaus LingnerDas Licht dort ist am Morgen schöner, ganz abgesehen davon, daß abends immer wieder Biergartenbesucher ins Bild hopsen, aber leider wird der Springbrunnen erst im Laufe Tages wieder angestellt. Auch das Brunnenhaus von außen, vor allem in den Morgenstunden, ist ein schönes Motiv.

Weinberg LingnerUnterhalb des Schlosses zieht sich ein Weinberg bis hinunter ans Elbufer. Dort findet man neben klassischen Motiven wie Weinreben (im Hintergrund Schloß Eckberg)…

… eine ewig lange, mauerngesäumte Treppe bis hinunter zum Flußufer (leider früh und abends in tiefem Schatten) oder auch den Blick hinunter auf die Elbe und eine kleine verträumte Weinlaube.

Elbeblick     Weinlaube Lingner

Doch verlassen wir nun das Lingnerschloß und schlagen uns durch die Büsche gleich hinter dem Brunnenhaus hinüber zum Anwesen von Schloß Albrechtsberg.

Fototip: Elbschlösser Dresden

Dresden… Eigentlich ist diese Stadt und ihre Umgebung viel zu vielschichtig und zu schön für nur einen Fototip. Und vielleicht ist dieser hier auch nur ein Anfang…

Für mich gehört Dresden jedenfalls zu meinen persönlichen Top 3 der lebenswertesten Städte Deutschlands (neben Hamburg und München). Und eines der Highlights der Stadt sind ohne Zweifel die Elbschlösser hoch über der Elbe.

Elbschlösser Dresden

Fast immer, wenn mich meine Pfade nach Dresden leiten, führt mich mein Weg auch die Uferstraße auf der anderen Seite der Elbe entlang, um die Schlösser zu sehen und wie alte Freunde zu begrüßen. Und ich träumte davon, da oben zu fotografieren und diesmal, an ein paar sonnigen Tagen im Juni hat es dann endlich geklappt.

Mein diesmaliges Hotel „Sax Imperial“, die ehemalige „Villa Emma“, ist eine Jugendstilvilla im Viertel Weißer Hirsch. Das Viertel mit seinen teils restaurierten, teils maroden wunderschönen alten Villen hat die Bombenangriffe auf Dresden beinahe heil überstanden – fast schon ein Wunder, denn es liegt mitten in einem riesigen Parkareal mit großen, alten Bäumen und trotzdem hat sich das Feuer, das das alte Dresden vernichtete, nicht bis hier hoch gefressen.

Das Sax ist eine charmante kleine Pension, die selbst schon die ersten Motive bietet, u.a. das Treppengeländer, die verzierten Türrahmen und die bunten Glasfenster sind einfach wunderschön. Ich MAG Jugendstil!

Das Personal ist zwar nur bis 19.00 Uhr da, aber dafür sehr freundlich und entspannt (und die Frühstückauswahl kann eigentlich nur als opulent bezeichnet werden). Vorn an der Hauptstraße fährt gleich die Straßenbahn in die Innenstadt, allerdings kann man zu den Schlössern auch laufen, denn die sind kaum 2 km entfernt.

Ums Eck vom Hotel findet sich übrigens auch ein Nikon-Laden, mit einer echt krassen Auswahl an (nicht nur Nikon-) Kameras und Objektiven. Teilweise auch gebraucht oder richtig alt! Es gibt auch jede Menge Zubehör, wie Stative und Reflektoren. Als ich drin war, standen da nicht weniger als 3(!) Verkäufer, um den interessierten Besucher zu beraten.

Mit Erfolg übrigens – ehe ich es mich versah, ist mir nun irgendwie und ganz zufällig ein gebrauchtes 50mm Nikkor mit 1.8er Lichtstärke zugelaufen. Die Jungs machen ihren Job also echt gut. Die ersten Bilder sind aber auch recht vielversprechend (freu!).

Doch nun zu den Schlössern…

Geht man die Bautzner Straße Richtung Innenstadt hinunter, erblickt man bald ein nicht gerade kleines, aber verwunschen aussehendes Hexenhäuschen, das abends sogar angeleuchtet wird.

Einfahrt zu Schloß EckbergDieses Häuschen gehört schon zu den Schlössern, genauer zu Schloß Eckberg – einem Luxushotel. Der Hotelkomplex besteht aus mehreren historisch aussehenden Häusern – ja historisch „aussehend“, denn so alt, wie man meint, sind die Schlösser gar nicht. Alle drei – Schloß Eckberg, das Lingnerschloß und Albrechtsberg sehen zwar aus, als wären sie Mitte bis Ende 17ungrad entstanden, aber tatsächlich wurden sie erst in der zweiten Hälfte des 19. Jhd. gebaut.

Umfassendere Daten findet man hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Elbschlösser

Rechts neben dem Hexenhäuschen steht das Hinweisschild zu den Lingnerterrassen, man kann dort einfahren, drinnen im Park gibt es Parkplätze.

ElbtalBei den Lingnerterrassen handelt es sich um einen Biergarten (mit durchaus zivilen Preisen) vor dem mittleren der drei Schlösser, von dem man einen unglaublich schönen Blick auf das Elbtal, das Blaue Wunder und die Altstadt hat.

SchiffspassageClara-Zetkin-Ufer       Altstadt

Ein Polfilter ist hilfreich, da gerade die Altstadt bei heißem Wetter oft hinter einem leichten Dunstschleier liegt. Ich hatte meinen leider auf dem anderen Objektiv daheim vergessen 😦 . Doch Schlösser und Biergartenpanorama sind nicht das einzige lohnende Motiv. Umgeben sind die 3 Prachtbauten von einer englischen Parklandschaft mit hohen Bäumen, Teich und Weinbergen.

Kontraste Die hohen Bäume sind allerdings auch ein Problem, denn ihre dichten Baumkronen werfen bei niedrigem Sonnenstand – also grad bei Fotografenlicht – breite, dunkle Schatten, wie auf dem Foto erkennbar.

Eine mögliche Abhilfe ist eine entsprechende Terminplanung mittels ein paar nützlicher Apps, zum Beispiel „The Photographers Ephemeris“ oder „Plan it!“, mit denen man den Einfall des Sonnen- und auch des Mondlichts für jedes Datum und jede Tageszeit auf Googlemaps berechnen kann. „Ephemeris“ ist verbreiteter, auch bei den Profis und außerdem leichter zu begreifen. „Plan it!“ von Ying Wen bietet dafür noch ein paar mehr Features, wie zum Beispiel eine Hinderniswarnung, Brennweitenberechnung oder Position der Milchstraße. Natürlich sind diese Spielereien nicht zu 100% garantiefähig, aber als erste Orientierung bei der Planung recht nützlich.

Ist man terminlich nicht so flexibel, daß man sich den passenden Sonnenlauf aussuchen kann, muß der Verlaufsfilter (in real oder per Lightroom) reichen. Oder man macht es wie ich, und geht abends – und noch mal gleich ganz früh am nächsten Morgen hin…


Das Wetter am Abend war übrigens herrlich – warm und sonnig, das Licht weich und golden. Perfekt für einen Spaziergang, da die Schlösser ja auch nicht weit weg sind. Dabei sind mir auch ein paar Türen aufgefallen, die zu den Waldgrundstücken links und rechts der Straße führten.

             Gartentore        Alte Villa            Gartentore

Das, was bei der grünen Tür rechts und links so aussieht, wie Weichzeichner, ist eigentlich der Draht eines Bauzaunes. Die Maschen waren zu eng, um das Objektiv durchzuschieben und um das Gitter komplett verschwinden zu lassen (siehe hier, beim Uhu-Kapitel), hätte man eine größere Brennweite nehmen müssen, aber dafür war die Tür zu nah. Mit ein bißchen Telewirkung und möglichst symmetrischem Anlegen wurde es dennoch ein ganz netter Effekt, denke ich.

Schloß EckbergEin paar Straßenwindungen weiter tauchten dann schon die Hexenhäuschen von Schloß Eckberg auf, die heutzutage zu dem Luxushotel gehören. Den gelben Briefkasten in diesem grünen Blättermeer finde ich irgendwie witzig.

Um zum Biergarten zu gelangen, läuft man außen an den Häuschen vorbei bis zum Schild „Lingnerterrassen“. Dort geht es in den Lingnerpark. Auch vom Park aus ist Eckberg durch eine richtige Schloßmauer geschützt, daher habe ich vom Schloß leider nicht so viele Fotos machen können. Vielleicht – wenn ich mal groß bin – habe ich ja genug Geld, um mir dort eine Nacht gönnen zu können, dann liefere ich die Bilder nach. Fürs erste gibt es daher nur Fotos, die von der Straße oder über die Mauer geschossen wurden.

    Schloß Eckberg       Dornröschenschloß

Aber spazieren wir weiter durch den Park zum Lingnerschloß.

Fototip: Wildpark Poing

Eine Premiere… Mein erster Fotoworkshopbesuch. Man liest und hört ja viel vom Sinn und Unsinn der zahllosen Fotoworkshops. Und man fragt sich: Tun es Bücher nicht auch? Bin ich noch ein Anfänger? Oder schon Fortgeschrittener? Bin ich da gut genug, damit sich das Geld rentiert…? Gerade beim Kosten-Nutzen-Verhältnis trennt sich ja die Spreu vom Weizen. Egal.

Irgendwann war ich an dem Punkt, wo sich zwar mein Bücherregal unter schlauen Ratgebern und Bildbänden bog (die ich sogar alle mehrfach gelesen habe), aber trotzdem hatte ich das Gefühl, irgendwie auf der Stelle zu treten. Fotoklubs sind nicht so mein Ding, also entschied ich mich für die bezahlte Belehrung.

In München ist daran ja kein Mangel und so stieß ich bald auf http://www.fotosafari-deutschland.de/. Vom Grundlagenlehrgang bis zum Architekturshooting wird dort eigentlich alles angeboten, was das Fotografenherz begehrt. Ich entschied mich für eine Outdoorsession im Wildpark Poing, denn erstens fehlen mir Tiere bisher komplett im Portfolio (anders als Landschaften bleiben die leider nicht geduldig stehen, bis ich mein Bild eingerichtet habe), zweitens kann man mit Viecherln in Action auch prima für Mitzieher an der Rennstrecke üben und drittens und letztens – wenn der Workshop selber schon nix werden würde, war ich wenigstens den ganzen Tag an der frischen Luft.

Ziegenkumpels

Um das Fazit gleich mal vorweg zu greifen: Alle drei Ziele haben sich mehr als erfüllt. Tiere knipsen hat soviel Spaß gemacht, daß ich das sicher nicht zum letzten Mal getan habe, ich habe unglaublich viel gelernt über (manuelle) Belichtung und auch Zielen bei schneller Bewegung des Opfers, und ich habe leichten Sonnenbrand im Gesicht und Muskelkater vom Wandern und Fotoschießen in Hockstellung. Alles in allem also ein guter Tag, der sich gelohnt hat. Er endete mit der Erkenntnis, daß man zwar fast alles aus Büchern lernen kann, aber die lehrreich unterstützte Praxis ist dann noch mal ganz was anderes. Der Dozent, Roger Riedel, war dabei eine große Hilfe. Angenehm unaufdringlich, aber aufmerksam, gab er immer wieder Hinweise auf die richtige Belichtung oder auch Übungsaufgaben zum Umsetzen des Gelernten. Er schaffte sogar das kleine Wunder, daß ich den ganzen Tag freiwillig komplett manuell fotografierte (eine weitere Premiere für mich!) – auch, wenn dabei nicht alles klappte.

Jolly Jumper

Jolly Jumper

Belichtung super. Der Focus sitzt… Aber für 1/200 startete der kleine Nager definitiv zu schnell durch. Hm, es müßte in solchen Tierparks Eichhörnchen geben, die auf Kommando springen…  Zum Üben.

Aber dafür hatte er vorher ganz herzallerliebst Modell gesessen:

Oachkatzl

So, wie übrigens auch der nächste Kollege – ein sehr dankbares Modell für Bewegungsstudien. Man kann sich beim Herumspielen mit ISO, Blende und Zeit soviel von derselbigen genehmigen – das ist schon ZEN.

Das Besondere an diesem Bild – auch wenn der Kollege eher einen gelangweilten Eindruck macht – ist die Abwesenheit vom vorderen Käfiggitter. Nicht, daß das die Dokumentation einer Tierbefreiungsaktion gewesen wäre (pst… doch nicht bei Tag!), der Trick ist: Einfach dicht ans Gitter gehen und mit dem Tele arbeiten. Das Gitter verschwindet dann wie durch Zauberhand im Naheinstellbereich des Objektivs.

Auch belichtungsmäßig gab es da noch so einige Tücken, so zum Beispiel die sehr großen hellen und dunklen Flächen. Je nachdem, welches Meßfeld die Kamera aktiviert, kann das zu Unter- oder Überbelichtung führen. Oder – mit der Wahrscheinlichkeit des Lottojackpots – auch zu korrekter Belichtung. Aber wir hatten ja Zeit.

Protest klein

Erste Amtshandlung: ISO festnageln. Nicht wenige Fotografen machen den Fehler, daß sie zwar Blende und Zeit manuell festlegen, aber die ISO-Automatik dabei vergessen. Das ist dann zwar nicht ganz für die Katz, denn der aufmerksame Leser dieses Blogs weiß schließlich, daß diese beiden Parameter ganz wesentlich für die Bildaussage sind. Aber ob das Licht reicht oder nicht, entscheidet dann immer noch die Kamera, indem sie ungefragt an der ISO schraubt. Also ISO-Automatik aus.

Da das Licht an diesem Tag bestens war – keine knallige Sonne, sondern eher lichte Bewölkung – tat es auch ISO 200.

Danach die Blende bestimmt. Klar, Blende 2,8 wäre toll gewesen (wegen verschwommenem Hintergrund und so). Aber mein voll ausgefahrenes Tele genehmigt nur 6,3 und höher. Take it or leave it. Also 6,3. Jetzt wird’s ernst. Um eine sehr korrekte Belichtung des Vogels zu erwischen, die Kameramessung fein abstimmen. Also…

  • Einzelautofokus mit Meßpunkt in der Mitte.
  • Meßfeldsteuerung Einzelfeld.
  • Belichtungsmessung mittenbetont oder sogar Spot.

Und um das Meßbild besser nach ausgefressenen (überbelichteten) Stellen checken zu können, die Bildanzeige auf dem Display auf „Lichter“ umschalten (ist bei mir aber ohnehin die Standardeinstellung).

Dann das Gefieder des inzwischen hyperventilierenden Models anvisieren und – Probeschuß. Wenn dann beim Meßbild zuviel blinkt, war’s zu hell. Blende und Iso sind fix, also Verschlußzeit kürzer. Bis es paßt. DAS war dann übrigens der Moment, in dem obiges Bild entstanden ist.

Was affektierte Ignoranz angeht, kann ich von diesem Model hier übrigens noch einiges lernen.

Pfau kleinAber ich kann den geneigten Leser beruhigen: Der ganze Meßbrimborium muß nicht jedesmal in dieser Umfänglichkeit aufs Neue zelebriert werden. Nur, wenn es wirklich drauf ankommt. Und mit zunehmender Übung reicht auch schätzen. Ein sehr gutes Buch, was ich in dieser Hinsicht empfehlen kann, ist von Sam Jost: „Manuell Fotografieren mit der Digitalkamera“.

Und solange die Lichtverhältnisse etwa gleich bleiben und kein besonderer Wert auf eine andere Blende oder Verschlußzeit gelegt werden, kann die Einstellung unverändert bleiben. Sogar bei ganz anderer Helligkeitsverteilung wie bei diesem Low Key hier:

Bison

Bison

Dieser sanfte Riese stand keine 3m von mir weg. Übrigens eine weitere Premiere meinereinerseits – der erste Herrscher der Prärie, den ich in meinem Leben live und in Farbe gesehen habe.

Ebenso ging es mir bei diesem Luchs hier, auch wenn die tiefenentspannte Katze sich im dichten Gezweig einer umgestürzten Fichte niedergelassen hatte und uns nur ab und an eines kurzen Blickes würdigte. Aber immerhin. Sie würdigte.

Luchs kleinDer Sturm letztens hat in dem Wildpark überhaupt ganz schön gewütet. Das Versteck des Luchserichs war nicht das einzige Opfer. Überall – auch in den Gehegen – entwurzelte und abgebrochene Bäume. Und auch das eine oder andere Inventar ging ebenfalls zu Bruch. Da lernt man mal wieder Respekt vor der Natur.

Bude_001

Aber zurück zur Lichtbildnerei…

Nachdem wir an den Slow-Motion Models ausgiebig geübt hatten, wurde im nächsten Menügang gleich mal zwei Gänge hochgeschaltet. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Eine Greifvogelschau! Pfeilschnelle Falken, Bussarde, Uhus und Adler – unschönerweise meist auch noch perfekt getarnt mit ihrem Federkleid. Was immer wir bis dahin gelernt hatten an diesem Tag – jetzt würden wir es brauchen.

Zunächst zu den Vorbereitungen…

Wohl jeder, der schon einmal Vögel am Himmel abgebildet hat, wird sich irgendwann einmal gewundert haben, daß die Birdies selbst bei strahlendem Sonnenschein meist nur als schwarze Silhouette erkennbar waren. Und das, obwohl der Knipskasten so verdammt teuer war!

Der Grund ist denkbar einfach: Heller Himmel (große helle Fläche) und kleiner dunkler Vogel (kleine dunkle Fläche). Um den weiten Himmel nicht überzubelichten, nimmt die Kamera die Belichtung zurück und „übersieht“ dabei den kleinen armen Vogel. Der wird dann halt schwarz. Das ist alles.

Aber auch dafür gibt es Abhilfe, nämlich eine Abwandlung zur Eulenübung weiter oben. Legen wir also erstmal die Prämissen fest…

Diese Vögel sind schnell, verdammt schnell! Also mit einer Verschlußzeit unter 1/1000 braucht man gar nicht erst abdrücken.

Schneefalke

Doch auch die Blende sollte man nicht außer acht lassen. Da die schnellen Jäger ja nicht nur im vorgeschriebenen, gleichmäßigen Sicherheitsabstand am Fotografen vorbeizischen,…

Weißkopf-Seeadler

Weißkopf-Seeadler

sondern auch mal geradewegs Kurs auf den Künstler selbst nehmen, ändert sich der Abstand zur Kamera immer wieder sehr schnell.

Wählt man eine zu große Blende (kleine Blendenzahl) und kommt der Autofokus nicht hinterher, ist der Vogel schneller wieder aus dem Schärfentiefebereich heraus, als die Kamera denken kann. Dann wird vielleicht das Gezweig der Bäume im Hintergrund scharf, aber der Vogel nimmer. Andererseits ist es ja nicht verkehrt, wenn das Gestrüpp im Hintergrund ein bißchen unscharf wird, um den Blick auf den Star zu lenken…

Ein sibirischer Uhu, Mit seinem hellen Federkleid perfekt getarnt für die Birkenwälder seiner Heimat.

Ein sibirischer Uhu, Mit seinem hellen Federkleid perfekt getarnt für die Birkenwälder seiner Heimat.

Jetzt zur ISO: Für eine möglichst ausgewogene Belichtungsmessung suche man sich eine grauähnliche Fläche in mittlerer Entfernung. Hier bot sich ein rindenloser, ausgeblichener Baumstumpf in der Mitte des Platzes an. Messung wie bei der Eule weiter oben. Und diesmal sollte man wirklich genau zielen. Ein Probebild. Paßt.

Und jetzt darf die Kamera einmal zeigen, was sie kann. Der Autofokus wird auf kontinuierlich eingestellt (Nikon: AF-C) und die Meßfeldsteuerung auf „Dynamisch“. Der Rest ist dann Glückssache. Und nicht traurig sein, wenn es nicht gleich klappt, die Ausschußquote bei mir war so etwa 50%, beim Rest hat zumindest das Technische gestimmt, wenn der Bildaufbau auch meist für die Tonne war. Die wenigen Glückstreffer stehen hier im Blog. Von etwa 100 Versuchen…

Attacke klein

Nach soviel Aufregung brauchten wir etwas Beruhigendes. Zum Beispiel ein paar süße, knuddelige… Braunbären.

Bärchen_001Die Perspektive so von oben herab ist natürlich nicht das Optimum. Der klassische Tourischuß halt. Tierfotos machen sich besser in Augenhöhe. Aber andererseits… Bär am WasserWas, wenn die plüschigen Steiffbären doch mal richtig sauer werden?

Sprach der weise Goldfasan…

Pharao

Das besondere an diesem Foto ist die bewußte Unterbelichtung, die alles Unwichtige im Dunklen verschwimmen und dafür das Goldene Gefieder und die Orange Punkfrisur um so kräftiger strahlen läßt (wobei da auch ein paar Strahlen der weicheren Nachmittagssonne geholfen haben). Da hilft nur ausprobieren. Das Original sah übrigens bei normaler Beleuchtung so aus:

Goldfasan

Und damit wären wir auch schon fast am Ende eines langen, lehrreichen Tages angelangt. Fast! Denn meine absoluten Lieblinge habe ich noch gar nicht gezeigt. Hier sind sie:

Mit diesen Prachtburschen endete der Tag dann wirklich. Müde, aber glücklich gingen wir auseinander und fuhren nach Hause.

PS: Für mich hat sich der Workshop echt gelohnt. Wird nicht der Letzte gewesen sein.

Fototip: Partnachklamm bei Garmisch-Partenkirchen

Da dieser Blog ja vor allem auch für die Vorstellung meiner Fotos gedacht ist (also über das 100er-Limits meines FC-Accounts hinaus), gibt es heute einmal Bilder aus der Partnachklamm bei Garmisch-Partenkirchen.

Die Klamm ist definitiv ein lohnender Fotospot im oberbayrischen Raum, aber sie ist auch recht anspruchsvoll – zumindest, wenn man mehr will, als die mittlerweile inflationäre Smartphoneknipserei.

Welche Motive erwarten den werten Wanderer?

Hohe, schroffe Wände, auch mal mit einer malerischen (und klapprigen) Brücke aus früheren Zeiten, als das noch der Weg für die Holztrifter, Boten und Wilderer war.

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Ein reißender Fluß (allerdings nur, wenn ausreichend Schmelz-/Regenwasser vorhanden) mit der typischen grün-türkisen   Gletscherwasserfärbung.

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Mit ein bißchen Glück Wasserfälle im Gegenlicht.

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Atemberaubende Momente, wenn sich hinter einer Biegung das Licht plötzlich bis hinunter in die Klamm kämpft und der Fels, der Gischtnebel vom Fluß und die tapfere Vegetation an den Wänden im Sonnenlicht erstrahlen.

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Ein schmaler Triftweg, der teilweise durch den Fels geschlagen wurde und natürlich Touris in ausreichender Anzahl.

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Die hohen, steilen Wände (die sich obendrein auch noch recht innig aneinander schmiegen) sorgen leider dafür, daß für den größten Teil des Tages das Licht nur vor sich hin dämmert. Daher sollte man spätestens gegen 10.00 Uhr an der Klamm sein (kostet übrigens 3,50 Euronen Eintritt), um einen möglichst hohen Sonnenstand ausnutzen zu können.

Welches Equipment ist hilfreich?

Wer sich mit Verlaufsfiltern ein bißchen auskennt, sollte diese ruhig einpacken. Kämpft sich die Sonne an der einen oder anderen Stelle doch einmal bis in die Klamm hinein, sind die Kontrastunterschiede ziemlich kraß. Die meisten Smartphones und Pocketknipsen kommen dabei an ihr Limit (Auch das iPhone!). Ein SoftGrad kann da durchaus hilfreich sein. Als Aufbewahrungsort empfiehlt sich unter den gegebenen Bedingungen allerdings eher die Gürteltasche als der Rucksack, da es auf dem Triftweg ziemlich kuschlig zugeht. In diese Tasche sollte man auch gleich noch ein Tuch für die Linse packen, da es überall von den Felsen dröppelt.

Ein Stativ würde sich theoretisch aufgrund der zickigen Lichtbedingungen gut machen, erst recht, wenn man auf den Polfilter partout nicht verzichten will. Allerdings wird das bei den restlichen Besuchern auf eher weniger Verständnis stoßen, die dann auf dem engen Pfad über Fotograf UND Stativ hinwegsteigen müssen. Ganz abgesehen davon, daß das auch nicht immer verwacklungsfrei vonstatten geht.

Ersatzweise bewährt hat sich dafür das „Guerilla-“ Stativ. Das ist nichts anderes als ein langes dünnes Seil, mit jeweils einem Stöckchen an den Enden, das mittels Schraube (zum Beispiel vom Stativ) am Stativaufnahmepunkt (nennt man das so?) der Kamera befestigt wird. Auf die beiden Enden stellt man sich breitbeinig drauf, hält das Seil schön straff und voilá – die Kamera liegt nicht mehr so zittrig in der Hand.

Das ist natürlich nicht so professionell und solide wie das Lieblings-Manfrotto, aber diese Leichtbauvariante hat durchaus Vorteile:

  1. In Kirchen, Museen, etc. wird einem als Digitalspiegelreflexkameraverwender nicht gleich unterstellt, als gewerblicher Lichtbildner die ganzen schönen Postkartenmotive finanziell für sich ausbeuten zu wollen. Statt dessen ergeben sich immer wieder nette Gespräche mit anfangs irritierten, dann faszinierten Museumsmitarbeitern. Falls nicht – mit einer Schnur in der Hand verkrümelt es sich einfacher als mit einem ausgefahrenen Stativ *g*
  2. Sie paßt in die Hosentasche.
  3. Preislich unterbietet diese Lösung JEDE Mediamarkt-Verkaufsaktion.

 

Auf dem Weg zur Partnach gibt es dann auch noch ein paar klassische Postkartenmotive

  • Schneebedeckter Gipfel mit Wald und Wiese im Vordergrund
  • jede Menge Plümchen und Käferchen
  • Pferdekutschen
  • Landwirte bei der Arbeit

… und diesen kleinen Bach hier, an dem man wunderschön Langzeitbelichtung üben kann (dann aber mit richtigem Stativ).

Bild

Nicht wundern, wenn dann mal einer der Bauern anhält und sich seinerseits wundernd fragt, was denn an dem Rinnsal so interessant wäre. Wer in so einer unglaublichen Landschaft leben und arbeiten darf, der wird halt wählerisch.