Fotostrecke: Freiburger Dom und Colmar

Gleich im Anschluß an meinen Ausflug nach Straßburg fuhr ich dann nach Süden, der Himmel blieb natürlich grau. Mein Ziel war zwar das elsässische Colmar, aber da der Freiburger Dom schon von weitem grüßte, konnte ich dann nicht widerstehen…

Colmar habe ich dann nach Einbruch der Dunkelheit heimgesucht, auch eine pragmatische Lösung gegen Einheitsgrau. Die alten Fachwerkhäuser strahlen nachts richtig Gemütlichkeit aus.

Freiburger Dom

Colmar

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Strasbourg II

Ich hatte ja in meinem letzten Post zu Strasbourg versprochen, Euch auch in die Kirche St. Pierre-Le-Jeune-protestant mitzunehmen. Leider habe ich gerade nicht allzu viel Zeit, aber eine kurze Zusammenfassung gibt es hier trotzdem:

https://de.wikipedia.org/wiki/Saint-Pierre-le-Jeune_protestant

St. Pierre wurde vor fast 1000 Jahren als Konvent gegründet, ist also eine der ältesten Kirchen Strasbourgs. Und obwohl weitaus weniger Besucher dorthin finden als zum berühmten Münster, ist die Kirche definitiv ein echtes Kleinod (wenn auch eines, das dringend der Restauration bedarf).

Die Grundstruktur des Gebäudes ist ohne Zweifel romanisch, wurde aber später mit gotischem Kreuzrippengewölbe und hohen Maßfenstern dem Zeitenwandel angepaßt, Die wuchtigen Säulen und die dunkelroten Wände mit den Fresken aus romanischer Zeit nehmen den Besucher sofort mit ihrer mystischen Atmosphäre gefangen. Auch der wunderschöne gotische Lettner, über dem sich eine Silbermann-Orgel erhebt, ist einen zweiten Blick wert.

Der Chor ist ein seltsamer Parfourceritt durch die Baugeschichte: Im Grunde eine romanische Apsis, wird er durch hohe gotische Fenster erleuchtet, während die dunkelgrauen Wände goldene, barocke Ornamente tragen.

Sehenswert ist auch die kleine Taufkapelle nebenan, mit der wunderschönen Gewölbemalerei. Leider ist diese, wie auch das Innere der Kirche insgesamt in einem arg beklagenswerten Zustand und daher bitte ich Euch: Wenn Ihr in Strasbourg seid, besucht St. Pierre (ganz wichtig: den protestantischen, es gibt nämlich auch noch einen katholischen), genießt die Atmosphäre und laßt ein paar Euro dort. Ein solcher architektonischer Schatz ist jede Unterstützung wert!

Und damit Ihr Euch eine Vorstellung machen könnt, gibt es hier noch ein paar Fotos:

Strasbourg I

Hm, da war er nun, der Urlaubstag. Extra in den Herbst gelegt und auch noch den Wetterbericht gefragt und dann das: Ein Himmel grau in grau und keine Änderung in Sicht. Und währenddessen fielen die Blätter und fielen und fielen…

Doch Trübsal blasen half auch nicht weiter, die Kamera wollte schließlich ausgeführt werden. Hm, Frankreich war nicht weit weg, und vielleicht hatten die ja Sonne – die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Also Rucksack ins Auto geworfen und den Motor aufgeweckt.

Französische Grenze. Keine Sonne. Dafür ein Hinweisschild: Strasbourg 17 km. Da war ich schon ewig nicht mehr… Und wenn schon sonst nix ging, dann wenigstens ein bißchen französische Lebensart…

Strasbourg_süß-2

Aber da war auch eine große gotische Kathedrale! Und für die Innenaufnahmen war das trübe Wetter genau richtig, da dann die wunderschönen Fenster erst richtig zur Geltung kommen.

Im grellen Sonnenlicht überstrahlen die Farben nämlich schnell, und da auch moderne Kameras meist geringere Dynamikfähigkeiten haben als das menschliche Auge, müßte man bei grellem Sonnenlicht draußen die Belichtung soweit zurücknehmen, daß im umgebenden Mauerwerk dann tatsächlich jede Struktur in Schwarz ertrinken würde.

In Straßburg angekommen, erst mal eine halbe Stunde nervenaufreibende Suche nach einem Parkhaus – und das in der morgendlichen Rush Hour. So viel „französische Lebensart“ war dann doch gleich wieder anstrengend. Endlich: das Auto im Parkhaus am Boulevard de President Wilson abgeworfen (5,70€ für 3h ging eigentlich) und den Rucksack geschultert. Der Himmel war übrigens immer noch grau, aber wenigstens regnete es nicht.

Wie bereits vermutet, war es ziemlich Essig mit Außenaufnahmen. Was man unter diesen Umständen natürlich machen kann, ist Street Photography, bei der man einfach den Himmel ausläßt, aber Street ist eines der wenigen Sujets, die mich so gar nicht vom Hocker reißen (und selbst für einen Mittwoch waren doch arg viele Touristen unterwegs).

Strasbourg_GasseMit ein bißchen Glück findet man (frau) aber doch das eine oder andere stille Gäßchen, wie dieses hier und in Sepiatonung fällt die Großwetterlage gar nicht weiter auf.

Strasbourg_Gasse-2_sepia

Dem Gewimmel kann man ausweichen, indem man nach Ladenschluß fotografiert, aber dafür war mein Zeitplan diesmal zu eng. Also machte ich auf dem Weg in die Altstadt ein bißchen Tempo.

Strasbourg_StPierreLeJeuneBeim Blick über die Häuser fiel mir ein Kirchturm mit einem eigenartigen, italienisch anmutenden Dach auf – bedeckt mit roten, grünen und braunen Ziegeln – den ich mir für den Rückweg vormerkte.

Exkurs: Da gerade alte Kirchen mitten im Gassengewirr stecken, ist es oft schwer, charakteristische Elemente – wie hier den Turm von St. Pierre – ohne große Verzerrung abzulichten.
Abhilfe: Einfach mal nach Spiegelungen, in Fenstern, Pfützen etc. schauen. Das gibt meist sogar interessantere Bilder.

 

Und dann trat ich aus einer der vielen Gassen hinaus auf den Place de la Cathédrale… Wow!!!

Vor mir erhob sich höher und immer höher das Straßburger Münster – wunderschöne Architektur, mit unzähligen Skulpturen, Türmchen, verzierten Pfeilern – der filigrane Nordturm schier endlos gen Himmel strebend.

Strasbourg_Münster-5Als eine der bedeutendsten Kathedralen der Gotik – und auch eines der größten Sandsteingebäude weltweit – steht das Straßburger Münster auf der gleichen Stufe wie Chartres, Reims oder Amiens. Ich stand vor dem höchsten im Mittelalter vollendeten Gebäude!

Exkurs: Gerade bei diesen Giganten immer darauf achten, daß man exakt symmetrisch vor dem Motiv steht und die Kamera gerade hält (was mir hier leider nicht ganz gelungen ist). Da man ohnehin nur Ausschnitte fotografieren kann, tut hinterher  jeder durch ausrichten verlorene Millimeter doppelt weh.

Beeindruckt hielt ich den Atem an und versuchte mir vorzustellen, wie sich die Menschen im späten Mittelalter bei diesem Anblick gefühlt haben. Denn anders als wir heute kannten selbst die Städter fast keine Häuser, die mehr als 4 oder 5 Stockwerke hoch waren.

Die Maison Kammerzell aus dem Jahr 1427 (hier im Vordergrund) ist da ein recht guter Vergleich. Wie klein, geradezu winzig, wirkt das eigentlich stattliche Gasthaus vor dem Sandsteinriesen im Hintergrund!

Strasbourg_Münster-6

Die Maison (das dunklere der beiden Gebäude) gilt übrigens als eines der schönsten Fachwerkhäuser der deutschen Spätgotik und auch eines der wenigen im Original erhaltenen – weitere Kleinode wie zum Beispiel das Salzhaus in Frankfurt /Main oder das Knochenhaueramtshaus in Hildesheim (wiederaufgebaut) gingen im Bombenhagel des 2. Weltkrieges unter.

Um die Maison zu fotografieren, geht man am besten sonntags hin, wenn die Läden geschlossen sind oder man wartet bis zum Abend. Tagsüber ist der Platz davor permanent von Touristen frequentiert und ein Bild, daß das schöne Fachwerk komplett zeigt, nahezu unmöglich.

Exkurs: Einen weiteren Trick gibt es noch: Man nehme einen sehr dichten Graufilter und ein sehr solides Stativ und belichte über längere Zeit (zum Beispiel über eine halbe Stunde). Ein bisserl Nervenstärke im Menschenstrom gehört da allerdings dazu. Normalerweise „verschwinden“ dann die umherwuselnden Menschen wie von Geisterhand und vereinzelte Passanten oder auch Füße (die während des Gehens länger am Boden verweilen) kann man dann mit wenig Aufwand per Photoshop entfernen.

Doch treten wir nun ein in eines der architektonischen Wunder der Christenheit, der Cathédrale de Notre-Dame de Strasbourg.

https://de.wikipedia.org/wiki/Straßburger_Münster

Erbaut wurde das Münster von 1176 bis 1439 in – wie damals nicht unüblich – mehreren Etappen. (Der Berliner Flughafen hat also noch jede Menge Luft *hüstel*).

Der 142m hohe Nordturm (der Südturm fiel wahrscheinlich den Controllern zum Opfer) hielt ab 1647 (Einsturz der Turmhaube der Marienkirche in Stralsund) bis 1874  den Weltrekord als höchstes Bauwerk der Menschheit. Unglaublich, wenn man bedenkt, daß die damaligen Baumeister nicht viel mehr zur Berechnung der Statik zur Verfügung hatten, als ein paar Schablonen und ein Knotenseil!

Der Riese aus rosa Vogesensandstein überstand den evangelischen Bildersturm, die Rekatholisierung, die französische Revolution und zwei Weltkriege.

Das Langhaus ist zwar nicht außergewöhnlich hoch, aber mit 16m immerhin sehr breit für die damalige Bauweise. Wenn man das Bild vergrößert (klick macht groß), sieht man das Größenverhältnis von Mensch und Halle (Die Fensterrose hat übrigens einen Durchmesser von 13,60m!).

Strasbourg_Münster-2Diese Wirkung wurde im Mittelalter sogar noch verstärkt durch die Tatsache, daß in den Kathedralen außer einem eventuellen Chorgestühl jegliche Bestuhlung fehlte – man stand mitten in einer großen, weiten Halle, getragen von mächtigen Pfeilern und erhellt von riesigen, in leuchtenden Farben gehaltenen Fenstern. Dazu noch die mehrstimmigen Gesänge der Gotik oder während der Messen der wiederhallende Klang der Gebete hunderter, vielleicht tausender Menschen – welchen Gläubigen hätte das kalt gelassen?

Hier noch weitere Eindrücke aus dem Münster. Besonders faszinierend wirkten auch die modernen Fenster aus der Katharinenkapelle (3. Bild). Der eindringliche Blick des segnenden Jesus Christus hat mich noch lange Zeit in meinen Gedanken begleitet.

Strasbourg_Münster

Strasbourg_Münster-4

Strasbourg_Münster-3

Und natürlich gibt es noch viel, viel mehr Fotomotive im Münster – zum Beispiel auch die berühmte astronomische Uhr und die Engelssäule – aber leider sind nicht alle Bilder gut geworden (und auch der Touristenstampede ging mir schnell auf den Nerv). Irgendwann habe ich deshalb die Kamera weggepackt, mich auf eine Bank gesetzt und einfach nur noch die einzigartige, spirituelle Atmosphäre auf mich wirken lassen…

Und dann war da auch noch der eigentümliche Kirchturm mit dem eckigen bunten Dach… Doch darüber berichte ich dann im nächsten Post von der Kirche St. Pierre-Le-Jeune evangelique.